Rheumatoide Arthritis - Das gesunde Immunsystem

Komplexes Verteidigungssystem: Effektiver Schutz vor Keimen

Ständig umgeben uns Millionen von Krankheitserregern. Dass wir nur selten auch tatsächlich krank werden, haben wir unserem körpereigenen Abwehrsystem, medizinisch auch Immunsystem genannt, zu verdanken.

Das Immunsystem hat im Wesentlichen drei Aufgaben: Die Krankheitserreger oder andere schädigende Reize zu entdecken, zu identifizieren und sie dann zu zerstören. Das Immunsystem ist also eine Art Körperpolizei, die sofort mit Erste-Hilfe-Maßnahmen startet, sobald Krankheitserreger Schutzbarrieren wie die Haut oder die Schleimhaut überwunden haben und in den Körper eingedrungen sind.

Um diese Aufgabe effizient erfüllen zu können, verfügt das Immunsystem über Spezialeinheiten in Form von bestimmten Zellen im Blut und in verschiedenen Organen. Dringen Krankheitserreger in den Körper ein, so werden sie von diesen Abwehrzellen gezielt bekämpft und damit unschädlich gemacht. Zu den wichtigsten Spezialeinheiten der Körperpolizei im Kampf gegen körperfremde Eindringlinge gehören weiße Blutkörperchen (Leukozyten) und hier speziell die sogenannten T-Zellen und B-Zellen.

Ein gesundes Abwehrsystem bekämpft Viren und Bakterien

Ein gesundes Abwehrsystem bekämpft Viren und Bakterien

Der Kampf gegen die Krankheitserreger im Körper verläuft immer nach dem gleichen Muster, nämlich in Form einer Entzündung, die durch bestimmte Botenstoffe ausgelöst werden: Das betroffene Gebiet ist gerötet, überwärmt, geschwollen und schmerzt. Diese klassischen Zeichen der Entzündung sind schon seit dem Altertum bekannt.

Eine Entzündung ist also eine sehr wirksame und sinnvolle Methode des Immunsystems, mit Krankheitserregern und anderen schädigenden Reizen fertig zu werden. Mit der Entzündungsreaktion werden die Erreger bekämpft und beseitigt. Ist das geschehen, heilt die Entzündung vollständig ab, und der Patient hat keine Beschwerden mehr.

Was sind T-Zellen?

Die T-Zellen (T-Lymphoyzten) sind als eine Untergruppe der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) eine Spezialeinheit des körpereigenen Abwehrsystems. Sie laufen durch den Körper sozusagen „auf Streife“ und suchen nach schädlichen Krankheitserregern. Wenn sie Krankheitserreger identifiziert haben, benachrichtigen sie durch Botenstoffe die B-Zellen, damit diese die Waffen des Immunsystems, die Antikörper, herstellen.

T-Zellen werden im Knochenmark gebildet und reifen dann im Thymus heran (das „T“ steht für „Thymus“). Der Thymus ist eine innere Drüse und liegt hinter dem Brustbein über dem Herzbeutel. Bei der Geburt und im Kindesalter ist der Thymus voll ausgebildet. Im Laufe der Jahre bildet er sich zunehmend zurück. Vom Thymus aus gelangen die T-Zellen über das Blut in alle Organe und Gewebe des Körpers.

Was sind B-Zellen?

B-Zellen (B-Lymphozyten) sind ebenfalls eine Untergruppe der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) und eine Spezialeinheit des körpereigenen Abwehrsystems. B-Zellen werden im Knochenmark gebildet und reifen dort auch heran (das „B“ steht für „Bone marrow“, der englische Begriff für „Knochenmark“).

Nach dem Kontakt mit Krankheitserregern wandeln sich B-Zellen zu Plasmazellen um. Die Aufgabe von Plasmazellen ist es, die Abwehrwaffen des Immunsystems, die sogenannten Antikörper, herzustellen. Antikörper heften sich an die Krankheitserreger an und markieren sie damit. Dadurch erkennen andere Spezialeinheiten des Abwehrsystems, dass es sich hierbei um „Feinde“ handelt, und zerstören die Erreger.

Was sind Botenstoffe?

Die Abwehrzellen verständigen sich untereinander über bestimmte Botenstoffe (Zytokine). Damit wird erreicht, dass Krankheitserreger oder schädigende Reize erkannt und im Rahmen einer Entzündungsreaktion entfernt werden.

Zu den wichtigsten Botenstoffen gehören vor allem Interleukin-1 (abgekürzt IL-1), Interleukin-6 (IL-6) und der Tumor-Nekrose-Faktor alpha, abgekürzt TNF-alpha. Alle drei sind stark entzündungsfördernde Stoffe und werden sowohl von den T- als auch von den B-Zellen gebildet.

Übrigens hat der Begriff „Tumor-Nekrose-Faktor“ gar nichts damit zu tun, dass ein Tumor vorliegt. Der Stoff hat seinen Namen lediglich daher, dass Forscher vor mehr als dreißig Jahren in Untersuchungen im Reagenzglas festgestellt haben, dass TNF-alpha auch bestimmte Tumorzellen abtöten kann.

Alle drei Botenstoffe finden sich auch in großer Menge in den entzündeten Gelenken von Patienten mit rheumatoider Arthritis und sind verantwortlich für die Auslösung von Schmerzen und die Zerstörung der Gelenke (Welche Rolle spielt das Immunsystem bei der RA?).

Das Wissen um die Bedeutung der Botenstoffe bei der rheumatoiden Arthritis hat man sich zu Nutze gemacht und Medikamente entwickelt, die diese Entzündungsstoffe ausschalten (Biologika).