Welche Rolle spielt das Immunsystem bei der Rheumatoiden Arthritis?

Körpereigene Spezialeinheiten greifen die Gelenkinnenhaut an

Bei der rheumatoiden Arthritis kommt es zu einer Überreaktion des Immunsystems. Die Folge: Das Immunsystem wird zu stark und erkennt einen Bestandteil des Körpers — genauer gesagt: die Gelenkinnenhaut — fälschlicherweise als fremd und löst damit eine Immunreaktion, also eine Entzündung aus. Die rheumatoide Arthritis wird also nicht durch ein zu schwaches, sondern im Gegenteil durch ein zu starkes, überreagierendes Immunsystem ausgelöst.

Allgemein nennt man diese Erkrankungen, deren Ursache eine überschießende Reaktion des Immunsystems gegen körpereigenes Gewebe ist, Autoimmunerkrankungen. Anstelle krankheitsverursachender Keime werden bestimmte Bestandteile des eigenen Körpers irrtümlich als Feind angesehen und von den Spezialeinheiten T- und B-Zellen bekämpft. Die rheumatoide Arthritis gehört damit zur Gruppe der Autoimmunerkrankungen.

Warum der eigene Körper auf Selbstangriff umschaltet, gibt den Forschern immer noch Rätsel auf. Vermutet werden genetische Ursachen und verschiedene Umwelteinflüsse und Infektionskrankheiten in der Vorgeschichte.

Überreagierendes Immunsystem bei Autoimmunerkrankungen

Überreagierendes Immunsystem bei Autoimmunerkrankungen

Im Fall der rheumatoiden Arthritis bekämpfen die Spezialeinheiten T- und B-Zellen die eigenen Gelenke, genauer gesagt die Gelenkinnenhaut, die das Gelenk von innen auskleidet (Aufbau und Funktion eines gesunden Gelenks). Wie bei der Abwehr von Krankheitserregern kommt es auch bei der rheumatoiden Arthritis zu einer Entzündungsreaktion, die nach dem beschriebenen Muster einer Entzündung abläuft, nur dass sie sich dieses Mal im Gelenk abspielt und sich die Gelenkinnenhaut entzündet. Hauptverursacher der Entzündung der Gelenkinnenhaut sind große Mengen der entzündlichen Botenstoffe TNF-alpha und Interleukine. Schmerzen, Schwellung und eine eingeschränkte Beweglichkeit sind die Folgen.

Generalangriff von Entzündungsstoffen im Gelenk bei rheumatoider Arthritis

Generalangriff von Entzündungsstoffen im Gelenk bei rheumatoider Arthritis

Ein wichtiger Unterschied der Entzündung bei der rheumatoiden Arthritis im Vergleich zur normalen Entzündung ist jedoch, dass durch das überreagierende Immunsystem ständig neue T- und B-Zellen gebildet und ins Gelenk geschickt werden. Damit kann die Entzündung nicht ausheilen, sondern wird immer wieder neu entfacht und angeheizt. Der Mediziner spricht von einer chronischen, also dauerhaften Entzündung der Gelenke.

Behandelt man diese chronische Entzündung nicht, schreitet sie weiter fort, und die entzündete Gelenkinnenhaut wuchert in den Knorpel und den benachbarten Knochen hinein. Eine unwiederbringliche Zerstörung des Gelenks und des Knochens mit Verformung und Versteifung bis hin zur völligen Unbeweglichkeit des betroffenen Gelenks können die Folgen sein.

Um dies zu vermeiden und die Funktion der Gelenke zu erhalten, muss die rheumatoide Arthritis frühzeitig behandelt werden (Medikamentöse Therapie).