Riesenzellarteriitis

Riesenzellarteriitis (RZA)

Riesenzellarteriitis ist eine seltene Form der entzündlich rheumatischen Erkrankung, die meist ab einem Alter von 50 Jahren auftritt. Sie betrifft vor allem die Blutgefäße im Kopf und die Hauptschlagader.

Wird die Erkrankung frühzeitig erkannt und behandelt, können Folgeerscheinungen wie Erblindung und Aneurysmen verhindert werden.

Was ist eine Riesenzellarteriitis?

Beim Wort „Rheuma“ denken viele zuerst an Einschränkungen des Bewegungsapparates. Doch auch das Nervensystem, innere Organe und sogar Blutgefäße können von rheumatischen Erkrankungen betroffen sein. Bei den sogenannten Vaskulitiden kommt es zu einer Entzündung der Blutgefäße. Je nachdem, welche Gefäße betroffen sind, unterscheidet man unterschiedliche Arten. Die Riesenzellarteriitis (RZA) ist eine seltene und relativ unbekannte Krankheit und tritt meistens in den großen und mittelgroßen Gefäßen auf. Am häufigsten leiden Betroffene unter Entzündungen der Blutgefäße im Kopf, in der Regel in der Schläfenarterie. Neben den Gefäßen in der Schläfengegend ist häufig auch die Hauptschlagader (Aorta) betroffen.

Zahlen, Daten und Fakten

  • Meist tritt die RZA ab einem Alter von 50 Jahren auf.
  • Sie betrifft Frauen dreimal so häufig wie Männer.
  • In Deutschland sind ca. 24 bis 30 von 100.000 Menschen betroffen.1

Über die Riesenzellarteriitis informiert auch das Informationsportal für Menschen mit Rheuma

Wie entsteht die Riesenzellarteriitis?

Die Riesenzellarteriitis wird durch eine Fehlfunktion des Immunsystems ausgelöst: Eine Gruppe der Immunzellen, die T-Zellen, wenden sich nicht mehr nur gegen Viren und Bakterien, sondern auch gegen körpereigene Zellen der Gefäßwände. Dadurch kommt es zu einem Entzündungsprozess, in dessen Verlauf sich sogenannte Riesenzellen in der Gefäßwand bilden. Daraufhin schwillt die Wand an, sodass die Arterie verengt oder sogar komplett verschlossen wird. Infolgedessen kann nur noch weniger oder gar kein Blut mehr durch das Gefäß fließen. Das Blut kann dadurch wichtige Nährstoffe und Sauerstoff nicht mehr zu den Organen transportieren. Dies kann zu einer dauerhaften Schädigung des betroffenen Organs führen. Neben einem Verschluss der betroffenen Arterie kann es aber auch zu einem sogenannten Aneurysma, einer Ausstülpung in der Gefäßwand, kommen. Sie behindern zwar nicht den Durchfluss des Blutes durch die Arterie, müssen aber trotzdem behandelt werden, da sie platzen können.

Riesenzellarteriitis Verengung der Blutgefäße

Verengung der Blutgefässe

 Riesenzellarteriitis Ausstuelpung der Gefäßwand.

Welche Symptome treten bei der Riesenzellarteriitis auf?

Die RZA kann in den Halsschlagadern oder der Hauptschlagader auftreten. Am häufigsten sind die Schläfenarterie oder ihre Abgänge (z. B. Arterien, welche die Augen versorgen) betroffen. Die Riesenzellarteriitis macht sich vor allem durch folgende Symptome bemerkbar:

  • Kopfschmerzen, die sich durch Schmerzmittel nicht bessern
  • Pochende pulsierende Schläfe, die schmerzempfindlich ist
  • Gesichtsschmerzen
  • Kauschmerzen
  • Sehbeeinträchtigungen: Sehen von Schleiern oder Doppelbildern
  • Druckempfindliche Kopfhaut

Welche Behandlungsoptionen gibt es bei der Riesenzellarteriitis ?

Unklare oder anhaltende Symptome dieser Art sollten frühzeitig mit einem Arzt abgeklärt werden. Anhand der Symptome und verschiedener Diagnoseverfahren stellt dieser fest, ob eine RZA vorliegt. Sobald die Diagnose gesichert ist, beginnt die Therapie: Kortisonhaltige Medikamente hemmen die Entzündungsprozesse und wirken den Symptomen entgegen. Um die Dosis des Kortisons verringern und mögliche Nebenwirkungen reduzieren zu können, erhalten Patienten zudem eine Kombinationstherapie aus glukokortikoidsparenden Präparaten. In der Vergangenheit hat es bereits einige medikamentöse Ansätze gegeben, Medikamente zu kombinieren, um Kortison sparen zu können.

Jüngste neue therapeutische Ansätze bietet die Behandlung mit sogenannten Immunsuppressiva. Sie unterdrücken bestimmte Funktionen des Immunsystems und wirken damit ebenfalls der Entzündung entgegen. Die Behandlung mit dem Wirkstoff Tocilizumab, der ebenfalls zur Gruppe der Immunsuppressiva gehört, ist neben der Behandlung mit Kortison und dessen Kombination mit anderen Medikamenten eine neue Therapieoption für die RZA.  Bei dem Wirkstoff Tocilizumab handelt es sich um einen Antikörper, der gezielt das Cytokin IL6 hemmt. Dieses spielt eine zentrale Bedeutung bei der Entstehung einer Riesenzellarteriitis. Allerdings ist auch hier eine Kontrolle der Therapie wichtig. Neben den Nebenwirkungen wie Osteoporose, Bluthochdruck, Diabetes, Infektionen und eine Gewichtszunahme können auch psychische Beschwerden wie depressive Verstimmungen mit der Behandlung einhergehen. Sprechen Sie Ihre Therapie deshalb immer mit Ihrem Rheumatologen ab und verabreden Sie regelmäßige Kontrolluntersuchungen.

Übersicht der verfügbaren Therapien bei RZA:

Wirkstoff  Prednisolon Tocilizumab
Wirkweise Starke und schnelle Hemmung der Entzündungsprozesse im gesamten Körper Gezielte Hemmung des entzündungsfördernden Botenstoffs Interleukin

Referenzen

  1. Deutsche Rheuma-Liga: Die Polymyalgia rheumatica.