Rheumatische Erkrankungen - Impfungen

AAV Impfungen

Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen sind generell infektanfälliger als gesunde Menschen. Wenn dann noch eine Behandlung mit Medikamenten erfolgt, die das überschießende Immunsystem dämpfen und somit die Entzündungen der Gefäße stoppen - sogenannte Immunsuppressiva, dann wird die Infektionsgefahr noch größer.

Um schweren Infektionen vorzubeugen, ist daher für alle Patienten mit rheumatischen Erkrankungen und insbesondere für Patienten unter immunsuppressiver Therapie ein umfassender Impfschutz anzustreben.

Die ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut und die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) haben für Patienten mit einer rheumatischen Erkrankung und einer immunsuppressiven Therapie folgende Empfehlungen ausgesprochen:1,2,3

  • Regelmäßige Auffrischungsimpfungen gegen Wundstarrkrampf (= Tetanus), Diphtherie, Kinderlähmung (= Polio) und Keuchhusten (= Pertussis). Diese Impfstoffe sind sogenannte Totimpfstoffe und werden auch von Patienten mit Autoimmunerkrankungen gut vertragen.
  • Zudem wird eine Impfung gegen eine bakterielle Lungenentzündung (= Pneumokokken) und Grippe (= Influenza ) empfohlen.
  • Unter Immunsuppression wird ab dem 50. Lebensjahr eine Impfung mit dem Totimpfstoff gegen Herpes Zoster empfohlen.
  • Impfungen im Krankheitsschub sollten soweit möglich vermieden werden.
  • Impfungen mit Lebendimpfstoffen wie beispielsweise gegen Windpocken, Röteln, Gelbfieber und Cholera sind unter Immunsuppression weitgehend zu vermeiden.

Tab. 1 Impfplan für Patienten mit rheumatischen Grunderkrankungen (entsprechend STIKO)

Impfung gegen

Immunisierung ungeimpfte Erwachsene

Auffrischung

Grund der Impfung

Kommentar

Humanes Papillomavirus (HPV)

3-mal

Aktuell keine Daten

S
Eigener Schutz

Häufigeres Auftreten einer HPV-Infektion bei immunsupprimierten Patienten als bei der gesunden Vergleichsgruppe

HPV-Impfung bei Immundefizienz empfohlen

Immunsupprimierte Personen ≥ 18 Jahre können möglicherweise von der HPV-Impfung profitieren

Pneumokokken 

1-mal

Ab 6J. mit PPSV23

I
Eigener Schutz

Empfohlen wir eine sequenzielle Impfung mit dem 13-valenten Konjugat-Impfstoff (PCV13) gefolgt von PPSV23 nach 6-12 Monaten, wobei PSV23 erst ab dem Alter von 2 Jahren gegeben werden soll.

Personen, bei denen eine immunsuppressive Therapie geplant ist oder durchgeführt wird, sollten möglichst spätestens zwei Wochen vor Therapiebeginn eine Pneumokokken-Impfung erhalten.

Erforderlich bei B-Zell-Defizienz (z.B. durch Rituximab-Therapie)

Influenza

1-mal

Jährlich

I
Eigener Schutz

Umgebungsprophylaxe aller Familienmitglieder im Alter von > 6 Monaten

Inaktiver, quadrivalenter Impfstoff mit der von der WHO empfohlenen Antigenkombination

Vor geplanter Therapie mit Rituximab oder Abatacept sollte die Influenza-Impfung möglichst 4 Wochen vor der ersten Gabe erfolgen, um einen optimalen Impferfolg zu erzielen.

Bei Erwachsenen hat sich gezeigt, dass ein Pausieren der MTX-Gabe von 2 Wochen vor und 2-4 Wochen nach einer Influenza-Impfung die Impfantwort verbesserte, ohne einen Schub der Grunderkrankung (Rheumatoide Arthritis) zu induzieren.

Varizellen

2-mal

Entfällt

I
Eigener Schutz

Lebendimpfung, starke Indikationsstellung

Kontrainduziert bei diversen Immunsuppressiva

Umgebungsprophylaxe

Abschluss 4 Wochen vor Beginn einer immunsuppressiven Therapie bei seronegativen Patienten, insbesondere weiblichen Patientinnen mit Kinderwunsch

Meningokokken

1.Serogruppen A,C,W,Y

2. Serogruppe B

PS Impfstoff ggf. 5 Jahre

I/(I)
Eigener Schutz

Bei immunsupprimierten Personen wird eine Impfung mit 4-valentem ACWY-Konjugat-Impfstoff und einem MenB-Impfstoff empfohlen

Für einen optimalen Impferfolg sollte die Immunisierung mindestens 2 Wochen vor Therapiebeginn abgeschlossen sein

Hepatitis B

4-mal

10 J.

(I)
Eigener Schutz

(I): s. STIKO

Die STIKO empfiehlt 4–8 Wochen nach Abschluss der Grundimmunisierung  (nach der 3. Impfung) eine Antikörperkontrolle.

Nach erfolgreicher Impfung., d.h. Anti-HBs≥ 100 IE/l, sind im Allgemeinen keine weiteren Auffrischungsimpfungen erforderlich.

Ausnahme: Patienten mit humoraler Immundefizienz (jährliche Anti-HBs-Kontrolle; Auffrischungsimpfung  wenn Anti-HBs>100 IE/l)

Herpes Zoster

2-mal (Abstand min. 2 Monate – max. 6 Monate)   I
Eigener Schutz

Impfung ab dem 50. Lj. für immunsupprimierte Personen empfohlen

Nur Totimpfstoff empfohlen, Lebensimpfung ist kontraindiziert

Vor geplanter immunsuppressiver Therapie sollte eine serologische Testung erfolgen. Im Falle von Seronegativität ist eine Varizellenimpfung empfohlen. Dagegen sollten seropositive Patienten vor geplanter immunsuppressiver Therapie die Impfung mit dem HZ/Subunit (su)-Impfstoff (Totimpfstoff) erhalten.

Bei Personen mit geplanter starker immunsuppressiver Therapie sollte bestenfalls 4-2 Wochen vor Beginn der Behandlung die Impfung abgeschlossen sein.

S= Standardimpfung
I=Indikationsimpfung

Welche Impfungen bei Ihnen notwendig und sinnvoll sind, besprechen Sie bitte mit Ihrem behandelnden Arzt/Ihrer Ärztin.

Referenzen

  1. Impfen bei Immundefizienz
    Anwendungshinweise zu den von der Ständigen Impfkommission empfohlenen Impfungen. (IV)
    Impfen bei Autoimmunkrankheiten, bei anderen chronisch-entzündlichen und unter immunmodulatorischer Therapie
    https://link.springer.com/content/pdf/10.1007/s00103-019-02905-1.pdf;
    Bundesgesundheitsbl 2019 · 62:494–515
    https://doi.org/10.1007/s00103-019-02905-1
    Online publiziert: 21. März 2019
  2. Empfehlungen der Ständigen Impfkommission beim Robert Koch-Institut – 2019/2020
  3. https://link.springer.com/content/pdf/10.1007%2Fs00103-017-2555-4.pdf