Diagnose der Mukoviszidose

Es gibt keine eindeutigen Symptome, die allein betrachtet typisch für die Mukoviszidose sind. Und viele Symptome entwickeln sich erst mit der Zeit. Der Krankheitsverlauf und die Schwere der Krankheitsausprägung ist individuell sehr unterschiedlich, so dass es sich empfiehlt, bereits bei Verdachtsmomenten diagnostische Untersuchungen durchzuführen. Welche Methoden für die Untersuchung angewendet werden, hängt vom Alter des Patienten und den vorhandenen Symptomen ab.

Neben einer allgemeinen körperlichen Untersuchung gibt es verschiedene spezielle Methoden, die zur Diagnose von Mukoviszidose eingesetzt werden können:

Neugeborenenscreening

Seit 2016 werden alle Neugeborenen in Deutschland nach der Geburt mittels eines Bluttests auf Mukoviszidose getestet.

Seit September 2016 werden alle Neugeborenen in Deutschland nach der Geburt auf Mukoviszidose getestet. Dies wird mittels eines Bluttests im Rahmen einer Routineuntersuchung durchgeführt.

Ist das Ergebnis auffällig, wird eine weitere Untersuchung notwendig. Dabei wird durch einen Schweißtest mit einem speziellen Gerät der Kochsalzgehalt im Schweiß der Babys gemessen. Sollte die Diagnose immer noch nicht klar sein, können sich weitere Diagnoseverfahren (z. B. Gentests, nasale Potentialdifferenzmessung) anschließen.

Schweißtest

Aufgrund der Störung des Salz-/Wasserhaushalts ist bei Menschen mit Mukoviszidose der Salzgehalt im Schweiß erhöht. Daher kann durch die Bestimmung der Salzkonzentration in Schweißproben bei korrekter Durchführung eine sehr sichere Aussage darüber gemacht werden, ob jemand an Mukoviszidose erkrankt ist oder nicht.

Um eine genügend große Menge an Schweiß sammeln zu können, wird die Haut an einer Stelle der Arme oder Beine mit Hilfe des Arzneimittels Pilocarpin und leichtem Strom zum Schwitzen angeregt. Dazu wird das Pilocarpin mit einem Mullläppchen 5 Minuten lang auf die Haut aufgebracht. Danach wird der Schweiß an dieser Stelle etwa 30 Minuten lang gesammelt. Es muss je nach verwendeter Methode eine bestimmte Schweißmindestmenge gesammelt werden, um die Probe untersuchen zu können. In der ausreichend großen Probe wird dann die Konzentration der Chlorid-Ionen gemessen und beurteilt. Bei einer Chlorid-Ionenkonzentration von mehr als 60 mmol/l lautet die Diagnose Mukoviszidose. Allerdings sollte dieser Test mindestens zweimal unabhängig voneinander durchgeführt werden, um falsch-positive Ergebnisse ausschließen zu können. Der Schweißtest kann frühestens am 3. Lebenstag eines Babys durchgeführt werden, am besten sogar erst ab dem 14. Lebenstag.

Molekulare Diagnostik/Gentest

Der Gentest wird durchgeführt, wenn der Verdacht auf eine Mukoviszidose vorliegt – entweder durch das Neugeborenenscreening, durch Geschwister, die an Mukviszidose erkrankt sind, oder durch einen anderen klinischen Hinweis auf die Erkrankung. Auch wenn der Schweißtest mehrmals im Graubereich liegt und keine eindeutige Diagnose möglich ist, kommt die molekulare Diagnostik zum Einsatz. Mit Hilfe des Gentests lässt sich nicht nur eindeutig diagnostizieren, ob eine Mukoviszidoseerkrankung vorliegt, sondern auch welcher Gendefekt genau dafür verantwortlich ist. Über 2.000 Mutationen des CFTR-Gens sind bekannt, wobei jede Mutation eine unterschiedliche Symptomatik und einen unterschiedlichen Schweregrad der Erkrankung mit sich bringt. Die häufigste Mutation ist F508del mit den für Mukoviszidose typischenSymptomen. Die molekulare Diagnostik ist auch ein wichtiger Bestandteil zur Therapiewahl. Je nach Gendefekt kommen unterschiedliche Präparate in Frage.

Potenzialdifferenzmessung

Ähnlich dem Schweißtest, basiert die Potenzialdifferenzmessung darauf, dass bei Mukoviszidose die Regulation des Salz-/Wasserhaushalts gestört ist. Kochsalz, also Natriumchlorid, besteht aus positiv geladenen Natrium-Ionen und negativ geladenen Chlorid-Ionen. Da das CFTR-Protein als Ausgangstür für Chlorid-Ionen defekt ist, wird ein Ungleichgewicht der Ionen-Verteilung verursacht. Die Chloridkonzentration innerhalb der betroffenen Zelle ist erhöht und somit auch die negative Ladung. Dies führt zu einem messbaren Unterschied der Ladung zwischen der negativ geladenen Innenseite der Zelle und der positiv geladenen Außenseite der Zelle, die sogenannte Potenzialdifferenz. Diese Potenzialdifferenz kann mit Hilfe von Messelektroden bestimmt werden. Diese Messungen können an der Nasenschleimhaut (Nasale Potenzialdifferenzmessung) oder an Gewebeproben der Schleimhaut des Enddarms durchgeführt werden (Intestinale Kurzschlussstrommessung).

Beide Methoden kommen in den seltenen Fällen zum Einsatz, wenn Symptome der Mukoviszidose vorhanden sind, aber weder Schweiß- noch Gentest eine eindeutige Diagnose bringen. Sie werden nur in speziellen Mukoviszidosen-Kliniken durchgeführt.

Es gibt unterschiedliche Methoden eine Erkrankung mit Mukoviszidose nachzuweisen. Diagnose und Routinekontrollen helfen dem Arzt die Therapie auf den einzelnen betroffenen Patienten abstimmen zu können. Dadurch kann er auch helfen, die Lebensqualität zu verbessern.

Quellen:

Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Pneumologie. S2k-Leitlinie: Diagnose der Mukoviszidose, 2013. Zuletzt abgerufen am 11.12.2019 unter https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/026-023lS_2k_Diagnose_der_Mukoviszidose_2013-07-abgelaufen.pdf

Naehrig S, Chao CM, Naehrlich L: Cystic fibrosis – diagnosis and treatment. Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 564–74