Hintergrundwissen: Das menschliche Immunsystem

Körperfremdes wird erkannt und bekämpft

Lymphsystem als Teil des Immunsystems © Sebastian Kaulitzki fotolia.com

Lymphsystem als Teil des Immunsystems

Das menschliche Immunsystem ist ein sehr komplexes System, das aus verschiedenen Organen, Geweben, Zellen und Molekülen besteht:

  • Zu den primären Organen des Immunsystems zählen das Knochenmark, die Leber und der Thymus.
  • Zu den sekundären Organen des Immunsystems gehören Milz, Lymphknoten und Lymphgewebe.

Wichtigste Aufgabe des Immunsystems ist die Unterscheidung zwischen körpereigenen und fremden Bestandteilen. Es schützt den Körper vor Krankheitserregern wie Viren und Bakterien und stellt gleichzeitig sicher, dass es zu keiner Immunreaktion gegen Bestandteile des eigenen Körpers kommt. Darüber hinaus hat es die Fähigkeit, krankhaft veränderte (z.B. entartete) Zellen zu erkennen und zu beseitigen. Leider erkennt das Immunsystem auch transplantierte Organe und löst eine Abstoßungsreaktion aus, wenn keine immunsuppressive Behandlung erfolgt.

Das Immunsystem des Menschen gliedert sich in zwei Hauptsysteme: Die unspezifische, angeborene Abwehr bildet eine erste Barriere gegen Krankheitserreger und Fremdstoffe im Allgemeinen. Die spezifische, erworbene Abwehr richtet sich gezielt gegen ganz bestimmte Krankheitserreger. Beide Abwehrsysteme sind eng miteinander vernetzt und bestehen aus einer Vielzahl von immunkompetenten Zellen und Molekülen, die im Körper verteilt sind.

Man unterscheidet außerdem die zellvermittelte und humorale (durch lösliche Komponenten vermittelte) Immunabwehr, die sich bei einer Immunantwort gegenseitig ergänzen.

Unspezifische Immunabwehr

Zu den Abwehrzellen des unspezifischen Immunsystems gehören neben den so genannten Fresszellen (Monozyten und Makrophagen) die Mastzellen und Granulozyten, sowie die natürlichen Killerzellen. Diese sind der Hauptträger der unspezifischen Immunantwort und töten intrazelluläre Erreger ab. Außerdem bilden sie die Schnittstelle zur spezifischen Immunantwort.

Zu den humoralen Faktoren der unspezifischen Immunantwort gehören Enzyme, die z.B. im Speichel und in der Tränenflüssigkeit vorkommen und Bakterien abtöten, sowie das sogenannte Komplementsystem, das körperfremde Zellen auflöst. Verschiedene Zytokine (immunregulatorische Botenstoffe im Körper) wie Interferone und Interleukine zählen ebenfalls zur humoralen Immunabwehr. In der Transplantationsmedizin ist das Zytokin Interleukin-2 von großer Bedeutung, weil es das Wachstum und die charakteristische Ausprägung (Differenzierung) von T-Lymphozyten stimuliert und damit indirekt zu einer Transplantatabstoßung beitragen kann.

Spezifische Immunabwehr

Die spezifische Immunabwehr kann sich erst nach Kontakt mit einem bestimmten Erreger ausbilden und wird deshalb auch als erworbene Immunabwehr bezeichnet. Das spezifische Immunsystem kann auch krankhafte körpereigene Zellen (z.B. Tumorzellen) erkennen und zerstören. Eine Schlüsselrolle bei der spezifischen Immunabwehr spielen die Lymphozyten, die 25% der weißen Blutkörperchen ausmachen und sich überwiegend nicht im Blut, sondern im lymphatischen System aufhalten.

T-Lymphozyten, die hauptsächlich im Thymus gebildet werden, sind die Träger der spezifischen zellulären Immunabwehr. Sie sind in der Lage, körperfremde und körpereigene Strukturen zu unterscheiden. Um eine immunologische Aktivität zu entfalten, müssen T-Lymphozyten zunächst über verschiedene Mechanismen aktiviert werden.

T-Lymphozyten erkennen auch, dass Spenderorgane etwas Körperfremdes sind und attackieren diese. Bei der Transplantatabstoßung spielen sie eine wichtige Rolle. Deshalb zielen verschiedene Immunsuppressiva darauf ab, die Vermehrung oder die Aktivierung von T-Lymphozyten zu unterdrücken.

B-Lymphozyten sind Bestandteil der spezifischen, humoralen Immunabwehr. Sie können sich zu so genannten Plasmazellen entwickeln, die Antikörper gegen Krankheitserreger bilden.