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Immunsuppression

Die körpereigene Abwehr überlisten

Antikörper im Blut © Sebastian Kaulitzki fotolia.com

Antikörper im Blut

Nach einer Transplantation erkennt das Immunsystem, dass es sich bei dem neuen Organ um etwas Körperfremdes handelt. Eine erfolgreiche Transplantationsmedizin ist erst möglich, seit in den 1960er Jahren Medikamente zur Unterdrückung der Abstoßungsreaktion entwickelt wurden. Seither wurden diese Medikamente ständig weiterentwickelt, verbessert und neue Substanzen in die Therapie eingeführt, so dass den Transplantationsärzten heute sehr gute Möglichkeiten zur Verfügung stehen, der Organabstoßung entgegenzuwirken.

Experten unterscheiden 3 Arten von Abstoßungsreaktionen:

Hyperakute Abstoßung

Die hyperakute Abstoßung, die noch während der Transplantationsoperation oder in den ersten Stunden danach auftritt. In den meisten Fällen kann das Organ nicht erhalten werden. Dank der gezielten Empfängerauswahl ist eine hyperakute Abstoßung heute extrem selten.

Akute Abstoßung

Eine akute Abstoßungsreaktion entwickelt sich innerhalb von Tagen bis Wochen. Gelegentlich bemerkt der Patient Symptome, doch für eine sichere Diagnose ist in der Regel eine Gewebeuntersuchung notwendig. Meist lässt sich die Abstoßungsreaktion mit Medikamenten erfolgreich behandeln.

Die akute Abstoßung ist eine häufige Form der Abstoßungsreaktion. In den ersten 2 bis 3 Monaten nach Transplantation ist das Risiko einer akuten Abstoßung am höchsten, sie kann aber noch nach einem Jahr oder später und auch wiederholt auftreten.

In manchen Fällen einer akuten Abstoßung bemerkt der Patient Symptome wie:

  • Grippeähnliche Symptome (Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen, Schwindel)
  • Erhöhte Temperatur
  • Erhöhte Blutdruckwerte
  • Gewichtszunahme
  • Druck, Fremdkörpergefühl oder Schmerzen im Transplantationsgebiet

Durch die ständige Einnahme von Immunsuppressiva kommt es jedoch nur selten zu ausgeprägten Symptomen. Häufiger sind leichte Verläufe, bei denen der Patient nur geringe oder gar keine Symptome bemerkt.

Die beste Methode, Frühzeichen einer akuten Abstoßung zu erfassen, sind regelmäßige Labortests. Bei diesen Tests wird auch untersucht, ob die Immunsuppressiva richtig dosiert sind.

Chronische Abstoßung

Die chronische Abstoßung ist ein Prozess, der sich über Wochen, Monate oder sogar Jahre entwickelt und der bleibende Schäden am Transplantat verursacht. Bisher ist es nicht möglich, den Vorgang mit Medikamenten komplett auszuschalten.

Eine chronische Abstoßungsreaktion kann unmittelbar nach der Transplantation beginnen, aber sie verläuft langsam und im ersten Jahr sind nur selten sichtbare Zeichen einer chronischen Abstoßung zu erkennen. Die Ursache ist unklar. Allerdings kommt es durch die chronische Abstoßung zu bleibenden Schäden (meist Gefäßschäden) am Transplantat, die schließlich einen Funktionsverlust bewirken können.

Wie sich eine chronische Abstoßungsreaktion bemerkbar macht, hängt vom transplantierten Organ ab, obwohl der zugrunde liegende Mechanismus in den meisten Fällen eine Gefäßschädigung sein dürfte. Bei Herztransplantationen kann eine chronische Abstoßungsreaktion zu einem Herzinfarkt führen, bei Lebertransplantaten wird eine Verschlechterung der Leberfunktion und eine Gelbsucht beobachtet. Auch bei Nierentransplantaten kann eine chronische Abstoßungsreaktion eine Funktionsverschlechterung bewirken, was zu Bluthochdruck, zu einer Erhöhung der Nierenwerte im Blut (Serum-Kreatinin) und zu einer Ausscheidung von Protein im Urin führt. Bei Nierentransplantatempfängern ist die Wahrscheinlichkeit einer chronischen Abstoßungsreaktion größer, wenn zuvor bereits eine oder mehrere akute Abstoßungsreaktionen abgelaufen sind.

Die medikamentöse Behandlung chronischer Abstoßungsreaktionen ist oft sehr schwierig, weshalb alles unternommen werden sollte, dass es gar nicht erst dazu kommt. Bekannt ist, dass das Risiko einer chronischen Abstoßung niedriger ist, wenn die Patienten alle ihre Medikamente genau nach Anweisung nehmen, Infektionen vermeiden und dafür sorgen, dass sie möglichst gesund und fit bleiben.