Berufstätigkeit nach der Transplantation

Möglichst „ganz normal“ arbeiten

Ein erfüllender Beruf verbessert die Lebensqualität. Nach einer Organtransplantation ist es oft möglich, wieder normal zu arbeiten. Aufgrund der notwendigen Immunsuppression gibt es jedoch einige Verhaltensregeln. Besonders geeignete Berufe sind solche ohne körperliche Belastung und mit weniger Menschenkontakten, um das Infektionsrisiko gering zu halten. Aber auch andere Arbeit ist nach Rücksprache mit Ihrem Arzt möglich. Wiedereingliederungsmaßnahmen und Umschulungen werden von Firmen und Arbeitsämter angeboten.

Wenn Sie sich nach der Transplantation erholt haben und Sie sich wohl fühlen, möchten Sie vielleicht wieder in Ihren Beruf zurückkehren oder eine andere Tätigkeit aufnehmen. Viele Organtransplantierte können einige Zeit nach der Operation wieder uneingeschränkt berufstätig sein, selbst dann, wenn sie vorher aus gesundheitlichen Gründen aus ihrem Beruf ausgeschieden waren. So kehren beispielsweise mehr als die Hälfte der Menschen mit einer neuen Niere ins Arbeitsleben zurück und selbst unter Lungentransplantierten nimmt etwa jeder Dritte wieder eine Arbeit auf.

Mehr Selbstvertrauen im Beruf

Durch die Arbeit stehen Sie fest im Leben, Sie nehmen an den Problemen Ihrer Mitmenschen teil (und denken nicht ununterbrochen über Ihre eigene Gesundheit nach) und Sie können Erfolge verbuchen, wenn Sie Aufgaben gemeistert haben. Das alles ist gut für Ihr seelisches Gleichgewicht und für Ihr Selbstbewusstsein und lenkt von einer ständigen Selbstbeobachtung ab.

Keine Gesundheitsgefahr durch Arbeit

Studien haben gezeigt, dass sich eine Berufstätigkeit positiv auf die Lebensqualität transplantierter Menschen auswirkt. Arbeitende Organempfänger weisen dabei nicht mehr krankheitsbedingte Fehltage auf als die Normalbevölkerung und es wurden keine vermehrten Krankenhausaufenthalte oder Abstoßungen im Vergleich zu nichtarbeitenden Patienten festgestellt.

Geeignete Tätigkeiten

Da Sie nach der Transplantation regelmäßig Immunsuppressiva einnehmen müssen, ergeben sich gewisse Einschränkungen für Ihre Berufstätigkeit:

  • Der normale Tag-Nacht-Rhythmus soll beibehalten werden, Nachtarbeit ist deshalb unerwünscht.
  • Ebenso ist körperliche Schwerarbeit nicht wünschenswert.
  • Vermeiden Sie den Umgang mit organischen Lösungsmitteln, die vom Körper rasch aufgenommen werden und die Leber schädigen können.
  • Sie sind besonders Infekt gefährdet. Deshalb sollten Sie eine Tätigkeit in sauberer Umgebung bevorzugen, nicht in sehr kalten Räumen arbeiten und auch nicht ständig zwischen kalten und warmen Räumen wechseln.
  • Eine Arbeit, bei der Sie vielen Keimen ausgesetzt sind, wie Gärtner oder Tierpfleger oder ein Beruf, bei dem Sie täglich mit vielen Menschen zu tun haben, sind aufgrund der erhöhten Infektionsgefahr weniger geeignet.

Ärztliche Beratung und weitere Hilfsmöglichkeiten

Wann Sie wieder arbeiten dürfen, hängt davon ab, wie gut Sie sich fühlen und welche Anforderungen Ihr Beruf an Sie stellt. Eine Bürotätigkeit ermöglicht Ihnen einen früheren Wiedereinstieg ins Berufsleben als eine Arbeit, bei der Sie körperlich gefordert sind. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, ab wann und wie viele Stunden pro Tag Sie arbeiten dürfen und welche Tätigkeiten für Sie in Frage kommen. Die meisten Organempfänger, die wieder berufstätig werden, arbeiten in Teilzeit. Es ist jedoch je nach Begleiterkrankungen und Gesundheitszustand durchaus möglich, wieder voll in die Berufswelt wiedereinzusteigen. Viele Firmen bieten einen schrittweisen Wiedereinstieg oder eine Umschulung an, um Ihnen die Rückkehr in den Beruf zu ermöglichen. Auch das Arbeitsamt bietet Maßnahmen an, die Ihnen eine Wiedereingliederung in die Arbeitswelt ermöglichen.

Referenzen

Info Organtransplantation. Bundesverband für Gesundheitsinformation und Verbraucherschutz https://www.bgv-transplantation.de/danach.html Abgerufen am 16.01.2020

Suhling H, Knuth C, Haverich A, Lingner H, Welte T, Gottlieb J: Employment following lung transplant—a single-center cross-sectional study. Dtsch Arztebl Int 2015; 112: 213–9. DOI: 10.3238/arztebl.2015.0213.
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