Sexualität und Kinderwunsch

Sexualität nach Organtransplantation ist nach der Abheilung der Operationswunden erlaubt. Bestimmte Vorsichtsmaßnahmen sind sinnvoll. Risikoschwangerschaft: Organtransplantierte Frauen können unter bestimmten Vorsichtsmaßnahmen schwanger werden und Kinder gebären, Immunsuppressiva können das Ungeborene jedoch schädigen. Frühgeburten und Kaiserschnitte sind bei transplantierten Frauen häufiger. Die Rate an Kindern mit Behinderungen entspricht bei organtransplantierten Müttern der Normalbevölkerung, wenn die Medikation vor der Schwangerschaft angepasst wurde und die Schwangere engmaschig medizinisch betreut wurde.

Eine dialysepflichtige Nierenkrankheit bzw. eine schwere Herz- oder Lebererkrankung kann das sexuelle Verlangen erheblich einschränken. Nach der Transplantation normalisieren sich die Organfunktionen und es ist gut möglich, dass Sie sexuell aktiver werden möchten. Ob und wann Sie sich einen eventuellen Kinderwunsch erfüllen dürfen, sollten Sie mit Ihrem Arzt besprechen.

Sex nach der Organtransplantation

Ziel einer Organtransplantation ist es, dem Patienten wieder ein normaleres und erfüllteres Leben zu ermöglichen. Das trifft auch für den Bereich Sexualität zu. Manche Patienten empfinden nach der Transplantation wieder dasselbe sexuelle Verlangen und können sexuell ebenso aktiv sein wie vor ihrer Erkrankung. Gegen intime Kontakte bestehen keine Bedenken, allerdings wird empfohlen, erst 4 bis 6 Wochen nach der Operation wieder Geschlechtsverkehr zu haben, wenn der Operationsschnitt gut verheilt ist.

Hier einige Tipps, die vielleicht hilfreich für Sie sind:

  • Wenn Sie keinen festen Partner haben, benutzen Sie unbedingt Kondome, selbst wenn Sie noch eine andere Verhütungsmethode anwenden. Kondome reduzieren die Gefahr sexuell übertragener Krankheiten und Infektionen.
  • Bei vielen Frauen mit einer schweren Leber-, Herz- oder Nierenerkrankung bleibt die Periode aus. Nach einer Transplantation setzt die Monatsblutung oft wieder ein. Damit ist auch mit einem Eisprung zu rechnen und es kann zu einer Schwangerschaft kommen. Hohe Kortisondosen können die Monatsblutung unterdrücken, aber ein Eisprung ist trotzdem möglich. Besprechen Sie deshalb unbedingt mit Ihrem Arzt, welche sichere Verhütungsmethode für Sie geeignet ist. Die „Pille“ kommt nur für Frauen ohne Thromboseneigung, Bluthochdruck oder Leberveränderungen in Frage.
  • Wählen Sie beim Sex Stellungen, in denen kein Druck auf Ihr Transplantat ausgeübt wird (z.B. Seitenlage).
  • Bei manchen Männern wird die Fähigkeit, eine Erektion zu bekommen und aufrechtzuerhalten, durch die eingenommenen Medikamente beeinträchtigt. Sollte das für Sie zutreffen, sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber und nehmen Sie keine Medikamente (z.B. Viagra® oder pflanzliche Mittel) “auf eigene Faust” ein!

Eine Schwangerschaft ist häufig möglich

Manche Frauen möchten nach einer Organtransplantation eine Familie gründen. Der Kinderwunsch ist auch für viele Betroffene erfüllbar. Jedoch bestehen sowohl für die Mutter als auch für das ungeborene Kind gewisse Risiken und es kann nicht ausgeschlossen werden, dass einige Immunsuppressiva das Ungeborene beeinträchtigen können. Daher müssen Sie einige Dinge beachten, bevor Sie schwanger werden.

Voraussetzungen für eine Schwangerschaft

  • Sie müssen gut erholt und gesundheitlich so fit sein, dass Kreislauf und Stoffwechsel die Belastung einer Schwangerschaft überstehen können.
  • Das neue Organ muss stabil funktionieren.
  • Manche Medikamente verursachen Missbildungen. Immunsuppressiva und weitere Medikamente müssen daher so ausgewählt und dosiert sein, dass von ihnen kein Schaden für das Ungeborene ausgeht.
  • Besprechen Sie sich ausführlich mit dem betreuenden Transplantationsarzt über eine Schwangerschaft.

Experten empfehlen, einen möglichen Kinderwunsch nach der Transplantation ein bis zwei Jahre zurückzustellen, bis Sie gemeinsam mit Ihrem Arzt zu dem Entschluss kommen, dass die Risiken für Sie minimal sind. Solange müssen Sie eine sichere Verhütungsmethode anwenden. Während der Schwangerschaft müssen Sie sorgfältig medizinisch überwacht werden. Beispielsweise müssen der Medikamentenspiegel im Blut und die Organfunktion erst monatlich, dann wöchentlich kontrolliert werden. Leider kann es passieren, dass eine Schwangerschaft aufgrund von Komplikationen wie z.B. einer akuten Verschlechterung der Transplantatfunktion nicht zu Ende geführt werden kann.

Manche Frauen mit einem Nierentransplantat befürchten, dass es während der Schwangerschaft wegen der im Unterbauch liegenden neuen Niere zu Platzproblemen kommen könnte. Das ist nicht der Fall, trotzdem kommt es bei transplantierten Frauen häufiger zu einer Frühgeburt. Kritisch für die Frau ist eher der Zeitpunkt der Geburt, weil sich dann ihr Körper von der natürlichen Toleranz dem Kind gegenüber wieder auf ein “normales” Immunverhalten umstellt und die Gefahr einer Abstoßungsreaktion des Transplantats steigt. Stillen ist nicht möglich, weil die eingenommenen Medikamente in die Muttermilch übergehen.

Wenn ein Mann sich nach einer Organtransplantation ein Kind wünscht, sollte er nach der Transplantation mindestens ein halbes Jahr abwarten. Die in der Anfangszeit eingenommenen hohen Dosierungen an Immunsuppressiva können möglicherweise das Erbgut in den Spermien oder die Spermien selbst schädigen.

Referenzen

Info Organtransplantation. Bundesverband für Gesundheitsinformation und Verbraucherschutz https://www.bgv-transplantation.de/danach.html Abgerufen am 16.01.2020

Transplantation. Beta Institut gemeinnützige GmbH. https://www.betanet.de/transplantation.html Abgerufen am 16.1.2020

Schwangerschaft nach Lebertransplantation. Lebertransplantierte Deutschland e.V. https://lebertransplantation.eu/transplantation/nach-der-transplantation/schwangerschaft/ Abgerufen am 16.1.2020