Geschichte der Organtransplantation

Pionier der Organtransplantation Theodor Kocher

Emil Theodor Kocher, Pionier der Organtransplantation

Die eigentliche Entwicklung und klinische Anwendung von Organtransplantationen fand im 20. Jahrhundert statt, nachdem die Narkoseverfahren verbessert und Methoden der Antisepsis (Abtötung krankmachender Keime im Operationsgebiet) eingeführt worden waren.

1933 wagte der ukrainische Chirurg Voronoy die erste Nierenübertragung von Mensch zu Mensch, die jedoch aufgrund der nicht zu beeinflussenden Gewebeunverträglichkeit scheiterte.

1954 gelang Joseph Murray in Boston die erste erfolgreiche Nierentransplantation zwischen eineiigen Zwillingsbrüdern. Spender und Empfänger wiesen in diesem Fall also identisches Gewebe auf, weshalb der Empfänger nach der Transplantation keinerlei Gesundheitsprobleme hatte. Dieser Fall verdeutlichte, dass eine erfolgreiche Organtransplantation bei unterschiedlichen Gewebemerkmalen nur durch eine Unterdrückung der Abstoßungsreaktionen möglich ist.

Anfang der 1960-er Jahre wurden medikamentöse und biologische Verfahren zur Unterdrückung der Abstoßungsreaktion entwickelt.
So gelang es 1960 experimentell, mit einem Immunsuppressivum die Abstoßung eines Nierentransplantats zu hemmen.

1967 führte Christian Bernard in Kapstadt die erste erfolgreiche Herztransplantation durch. Der Patient überlebte 18 Tage und starb dann an einer schweren Infektion. Im selben Jahr gelang Thomas Starzl die erste erfolgreiche Lebertransplantation.

1985 wurde in den USA erstmals eine gesamte Lunge erfolgreich transplantiert, 1988 führte Rudolf Pichlmayr in Hannover die erste Teilleber-Transplantation (split-liver) in Deutschland durch, das heißt die Teilung einer Spender-Leber und Übertragung auf zwei Empfänger.

Heute sind Organübertragungen - vor allem die Transplantation von Nieren - etablierte Behandlungsverfahren. Moderne Immunsuppressiva tragen wesentlich dazu bei, dass das Spenderorgan im Körper des Empfängers über viele Jahre hinweg gut funktionieren kann.