Nierentransplantation

Hoffnung für Patienten mit chronischem Nierenversagen

Am häufigsten werden Nieren durch die Zuckerkrankheit (Diabestes mellitus) oder Bluthochdruck geschädigt. Aber auch Infektionen, Krebs, Verletzungen oder Vergiftungen und Medikamentenmissbrauch schädigen die Nieren. In vielen Fällen ist die Funktion der Niere nur beeinträchtigt. Bei einem totalen Nierenversagen ist eine regelmäßige Blutwäsche (Dialyse) lebenswichtig. Erholt sich die Niere durch eine Behandlung wieder, ist eine Dialyse nicht mehr notwendig. Patienten mit chronischen Nierenversagen brauchen lebenslang eine belastende Dialyse, es sei denn, sie bekommen eine Spenderniere. Nach einer erfolgreichen Nierentransplantation kann das Spenderorgan die Funktion der ausgefallenen Niere übernehmen.

Patienten mit chronischem Nierenversagen können mit Hilfe der Dialyse viele Jahre überleben. Da die „künstliche Niere“ aber nur einen Teil der Aufgaben einer gesunden Niere übernehmen kann, sind viele Dialysepatienten in ihrer Leistungsfähigkeit und Lebensqualität erheblich eingeschränkt.

Fast alle Menschen haben zwei Nieren, die rechts und links neben der Wirbelsäule liegen. Die gesunde Niere ist nicht nur ein effektives Ausscheidungsorgan, das Blut reinigt und filtert. Sie kontrolliert auch die Salz- und Wasserausscheidung, trägt zum Säure-Basen-Gleichgewicht des Blutes bei, produziert Hormone (die z.B. die Bildung roter Blutkörperchen anregen), reguliert den Blutdruck und beeinflusst die Knochenbildung.

Wann ist eine Nierentransplantation erforderlich?

Verschiedene Erkrankungen können dazu führen, dass die Nieren nicht mehr richtig arbeiten. Die Hauptursachen für eine Funktionsstörung der Nieren sind Diabetes und Bluthochdruck, außerdem u.a. entzündliche Nierenerkrankungen, angeborene Nierenfehlbildungen wie Zystennieren, bei denen immer mehr funktionstüchtiges Nierengewebe zugrunde geht, und Infektionen, Gifte oder Medikamentenmissbrauch.

Alle diese Erkrankungen bzw. Zustände können zu einem Nierenversagen führen. Der Körper wird mit giftigen Stoffwechselabbauprodukten überschwemmt, was sich für den Betroffenen durch Leistungsminderung und Schwäche, Müdigkeit, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall, Bluthochdruck und viele andere unangenehme Symptome bemerkbar macht. Ein totales Nierenversagen oder der Verlust beider Nieren erfordert eine künstliche Blutwäsche (Dialyse), mit deren Hilfe überflüssiges Wasser und Toxine aus dem Körper entfernt werden.

Nierenersatztherapie: Dialyse oder Transplantation?

Bei vielen Patienten lässt sich das Nierenversagen nicht beheben, sie sind dauerhaft auf die Dialyse angewiesen. Die Dialyse kann aber nur schädliche Stoffwechselprodukte entfernen, nicht jedoch andere Aufgaben der Niere wie z.B. die Hormonbildung übernehmen. Deshalb ist die Leistungsfähigkeit von Dialysepatienten deutlich herabgesetzt – von der Belastung durch die mehrmals wöchentlich notwendige Blutwäsche einmal ganz abgesehen. Die meisten Dialysepatienten hoffen daher auf eine Spenderniere, die ihnen mehr Unabhängigkeit und eine deutlich bessere Lebensqualität bringt.

Prinzip der Nierentransplantation

Vor einer Nierentransplantation sind zahlreiche Untersuchungen und Gespräche notwendig. Der Patient wird in eine Warteliste eingetragen und der internationalen Stiftung Eurotransplant gemeldet, die Spenderorgane vermittelt.

Ist ein passendes Spenderorgan gefunden, wird der Empfänger benachrichtigt und im Transplantationszentrum noch einmal gründlich untersucht.

Für die Operation ist eine Vollnarkose erforderlich. Der Chirurg legt im seitlichen Unterbauch einen etwa 20 cm langen Schnitt an und bringt die neue Niere in den Unterbauch ein. Die Spenderniere wird mit den Beckengefäßen des Empfängers und der Harnleiter mit der Blase des Empfängers verbunden. In den meisten Fällen nimmt die transplantierte Niere noch während der Operation ihre Funktion auf.

Die nicht mehr funktionstüchtigen Nieren des Patienten werden üblicherweise im Körper belassen, um die Operation nicht unnötig zu verlängern.

Wie geht es nach einer Nierentransplantation weiter?

Seien Sie nicht beunruhigt, wenn Sie nach der Transplantation in den ersten Wochen trotzdem noch Dialysen benötigen. Die neue Niere kann bis zu vier Wochen Regenrationszeit benötigen, bis sie ihre Funktion wieder vollständig ausführen kann.

Damit der Körper die neue Niere nicht abstößt, müssen lebenslang Medikamente eingenommen werden, die das Immunsystem unterdrücken. Die genaue Auswahl und Dosierung dieser Immunsuppressiva wird noch während des Klinikaufenthalts getroffen. Auch die erlaubte Trinkmenge wird an die zunehmende Funktionsfähigkeit der neuen Niere angepasst.

In den ersten Wochen gibt es viele Untersuchungen, Blut und Urin werden regelmäßig kontrolliert. Sobald das Transplantat stabil funktioniert, sind meist nur noch etwa vierteljährliche Untersuchungen notwendig.

Erfolgsaussichten

Nierentransplantationen zählen zu den erfolgreichsten Organtransplantationen. In Deutschland werden jedes Jahr mehr als 2000 Nieren transplantiert. Etwa ein Drittel dieser Organe stammen von Lebendspendern.1

Ein Jahr nach der Transplantation funktionieren noch 95% der lebend gespendeten Nieren, nach fünf Jahren sind es noch 85%. Bei einer Verwendung von Nieren verstorbener Spender arbeiten nach fünf Jahren noch 75% der Organe.1

Im Durchschnitt funktioniert eine transplantierte Niere 15 – 20 Jahre, sie kann aber durchaus mehrere Jahrzehnte ihre Funktion im neuen Körper erfüllen.2

Die Transplantation einer Niere verbessert nicht nur die Lebensqualität, sondern führt auch zu einer deutlichen Lebensverlängerung im Vergleich zur Dialyse.3

Referenzen

  1. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
    Abrufbar unter organspende-info.de. Abgerufen am 09.03.2020
  2. Coemans M et al. Analyses of the short- and long-term graft survival after kidney transplantation in Europe between 1986 and 2015.
    Kidney International 2018, 94 (5) 964-973. www.doi.org
  3. Oniscu G et al. How great is the survival advantage of transplantation over dialysis in elderly patients?
    Nephrology Dialysis Transplantation, Volume 19, Issue 4, April 2004, Pages 945–951, www.doi.org