Fragen zur Evidenzlage therapeutischer Antikörper

Evidenz bei Originalen und Biosimilars

Die Lebensqualität und den gesundheitlichen Gesamtzustand von Patienten durch innovative Medikamente nachhaltig zu verbessern, ist Ziel von Roche. Die entwickelten Arzneimittel werden in umfassenden klinischen Studien sorgfältig auf ihre Wirksamkeit und Sicherheit geprüft, ehe sie zur Behandlung zugelassen werden. So wird eine breite wissenschaftliche Evidenzlage als Basis für Therapieentscheidungen geschaffen.

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Therapeutische Antikörper – umfassende Evidenzlage

Therapeutische Antikörper werden in Europa durch die Europäische Kommision zugelassen, nachdem das Zulassungsgesuch von der EMA1 geprüft wurde. Voraussetzung hierfür ist üblicherweise der Nachweis der Wirksamkeit und Sicherheit des Arzneimittels durch eine klinische Phase-III-Studie in allen Indikationen, in denen das Arzneimittel angewandt wird. Den Phase-III-Studien gehen Phase-I/II-Studien sowie umfassende präklinische Untersuchungen und Analysen zum Wirkstoff voraus.

Die ersten therapeutischen Antikörper von Roche wurden bereits vor etwa 20 Jahren zur Behandlung zugelassen. Sie werden seither im Rahmen umfassender Beobachtungs- und Registerstudien weiter untersucht, sodass eine breite Evidenzlage zur Wirksamkeit, Sicherheit und Verträglichkeit der Original-Präparate gegeben ist. Dies ist besonders wichtig bei der Behandlung von Krebserkrankungen, insbesondere, wenn die Chance auf Heilung besteht. Durch die langjährige Verfügbarkeit der Original-Antikörper haben die Ärzte einen reichen Erfahrungsschatz im Umgang mit diesen Wirkstoffen.

Neben den Original-Präparaten sind inzwischen in einigen Bereichen auch biosimilare Antikörper verfügbar, welche den Originalen ähnlich, aber nicht identisch mit ihnen sind. Diese Biosimilars durchlaufen ein behördlich anerkanntes verkürztes Zulassungsverfahren. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf dem Nachweis der Ähnlichkeit zum Original, z.B. mittels analytischer Verfahren. Es werden auch klinische Daten erhoben. Dabei werden beispielhaft Daten in einer Indikation, in der das Biosimilar zur Anwendung kommen soll, ermittelt. Das Ergebnis wird dann auf andere Indikationen des Original-Antikörpers übertragen. Dieser Prozess wird als Extrapolation bezeichnet. Wie für jeden neuen Wirkstoff fordert die Zulassungsbehörde auch für biosimilare Antikörper einen umfassenden Risiko-Management-Plan mit zusätzlicher Überwachung (schwarzes Dreieck).

Fachinformation und Evidenz

Eine wichtige Informationsquelle zum jeweiligen therapeutischen Antikörper ist für den Arzt die behördlich genehmigte Fachinformation. Sie enthält detaillierte Informationen zur Darreichungsform und Stärke, zu Anwendungsgebieten (Indikationen), Dosierung, Wirkung, Nebenwirkungen, Arzneimittelwechselwirkungen und Gegenanzeigen (Kontraindikationen) des Präparats. Auch die Ergebnisse der Zulassungsstudien zur Sicherheit und Wirksamkeit sind in der Fachinformation aufgeführt. Sie können maßgeblich für die Therapieentscheidung des Arztes sein.

Zu beachten ist jedoch, dass die Fachinformation biosimilarer Antikörper stets die Daten der Zulassungsstudien zur Sicherheit und Wirksamkeit des jeweiligen Original-Antikörpers widergibt und nicht die Studien, die zur Zulassung des biosimilaren Antikörpers geführt haben. Es liegt damit in der Verantwortung des behandelnden Arztes, sich die darüber hinaus für seine Therapieentscheidung wichtigen Informationen wie beispielsweise Studienendpunkte und -ergebnisse zum biosimilaren Antikörper zu beschaffen. Diese Informationen stehen nicht in der Fachinformation des biosimilaren Antikörpers. Sie sind im EPAR2 der EMA1 zu finden, der auf der Website der Behörde abgerufen werden kann.

Zusätzliche Überwachung neu zugelassener therapeutischer Antikörper

Neue Arzneimittel unterliegen einer zusätzlichen Überwachung. Dies wird mit einem schwarzen Dreieck markiert. Bei derart gekennzeichneten Präparaten sind die Angehörigen von Gesundheitsberufen wie auch die Patienten aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung zu melden.

Da biosimilare therapeutische Antikörper neu zugelassene Arzneimittel sind, tragen sie ebenfalls das schwarze Dreieck. Die Referenz-Antikörper, also die Originale, sind nicht mit einem schwarzen Dreieck gekennzeichnet, da sie schon seit vielen Jahren zugelassen sind und bereits sehr umfassende Erkenntnisse zur Sicherheit und Wirksamkeit im praktischen Einsatz vorliegen.

Für alle Präparate gilt gleichermaßen, dass jeder Verdachtsfall einer Nebenwirkung gemeldet werden sollte.

Dr. Dallmann erklärt Unterschiede bei den Zulassungsverfahren von Originalen und Biosimilars
Dr. Dallmann
Dr. Bruns' Stellungnahme zu Extrapolation und Verfügbarkeit von Studiendaten bei Biosimilars
Dr. Bruns

Referenzen

  1. European Medicines Agency
    (Europäische Zulassungsbehörde)
  2. European Public Assessment Report