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Stadieneinteilung bei Krebserkrankungen

Zur Beurteilung des Krankheitsfortschritts und der Schwere von Tumorerkrankungen, gibt es in der Onkologie (Krebsheilkunde) Klassifizierungssysteme, die die Beurteilung der Erkrankung vereinfachen. Die Bestimmung des Stadiums (engl. "Staging"), ist ein wichtiger Teil der Krebsdiagnostik und damit Basis für therapeutische Entscheidungen.

Methoden der Stadienbestimmung

Zur Bestimmung der Stadien werden vielfältige diagnostische Methoden verwendet. Neben der einfachen körperlichen Untersuchung, Blutuntersuchung, Biopsie (Gewebeprobe), bildgebende Verfahren (Röntgen, Ultraschall, Computer-Tomografie, MRT, PET, Szintigrafie und andere), werden in jüngerer Zeit auch die Möglichkeiten der Gendiagnostik genutzt, die bereits zum Zeitpunkt der Diagnosestellung eine Typisierung und damit Aussagen über die Wirksamkeit moderner Onkologika ermöglichen.

Stagingsysteme zur Stadieneinteilung

Die am weitesten verbreitete Einteilung von malignen Tumoren (bösartigen Krebserkrankungen) in Stadien ist die TNM-Klassifikation. Das TNM-System, entwickelt vom Franzosen Pierre Denoix in den Jahren 1943–1952, wird seit 1950 von der Internationalen Union gegen Krebs (Union Internationale Contre le Cancer; UICC) weitergeführt und hat sich in vielen Ländern durchgesetzt. Sie basiert auf statistischen Untersuchungen, die Aussagen über das voraussichtliche Verhalten von Tumorerkrankungen zulassen. Die Einstufung anhand des TNM-Systems erlaubt so prognostische Aussagen und ist wichtige Basis für die folgenden Therapieentscheidungen.

Die drei Buchstaben des TNM-Systems, entsprechen dabei folgenden Kategorien:

T = Tumor, Ausdehnung Primärtumors
N = Nodus (lateinisch Nodus lymphoideus = Lymphknoten) Fehlen bzw. Vorhandensein von regionären Lymphknotenmetastasen
M = Metastasen, Fehlen bzw. Vorhandensein von Fernmetastasen

Der Kategorie wird jeweils eine Zahl und/oder ein weiterer Buchstabe hinzugefügt, die sie genauer beschreibt

T Ausdehnung:

T0: keine Anzeichen eines Primärtumors (sinnvolle Angabe, wenn z.B. ein Tumor nach neoadjuvanter Chemotherapie nicht mehr sichtbar,
oder der primäre Tumor unbekannt (CUP-Syndrom, cancer of unknown primary) ist
Tis/Ta: Tumoren, die die Basalmembran noch nicht infiltriert haben (im Allgemeinen günstige Prognose).
T1, 2, 3 oder 4: zunehmende Größe des Primärtumors oder Befall weiterer Gewebe.

Beispiel für den Brustkrebs:

T1: größte Tumorausdehnung höchstens 2 cm
T2: größte Tumorausdehnung mehr als 2 cm, aber höchstens 5 cm
T3: größte Tumorausdehnung mehr als 5 cm
T4: Tumor jeder Größe mit direkter Ausdehnung auf die Brustwand oder Haut
TX: keine Aussage über den Primärtumor möglich.

N Lymphknoten:

N0: keine Anzeichen für Lymphknotenmetastasen.
N1, 2 oder 3: zunehmender Lymphknotenbefall abhängig von der Lokalisation des Primärtumors. Einteilung z. B. nach ipsi- oder kontralateralem Befall und Beweglichkeit, sowie Lokalisation in Relation zum Primärtumor.
NX: keine Aussagen über Lymphknotenmetastasen möglich.

Die Entdeckung von Lymphknotenbefall hängt wesentlich davon ab, wie intensiv nach dem Befall gesucht wird. In der Regel muss je nach Organsystem eine Mindestzahl von Lymphknoten untersucht worden sein, um mit ausreichender Sicherheit sagen zu können, dass kein Befall in der entsprechenden Region vorliegt. Deshalb wird die Angabe wie viele Lymphknoten von wie viel untersuchten Lymphknoten befallen waren, häufig der N-Kategorie angefügt, z. B. N0 (0/13).

Bei einigen Tumoren (z. B. Mammakarzinom), gilt es als ausreichend, lediglich den sogenannten Wächter-Lymphknoten (engl. Sentinel Lymph Node) zu untersuchen. Er ist der erste Lymphknoten (manchmal auch mehr als einer), der die Lymphe aus dem Gebiet des Tumors aufnimmt. Sind dort keine Metastasen nachzuweisen, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass dies auch für die  „nachgeschalteten“ Lymphknoten Metastasen gilt. Umgekehrt müssen bei einem Befall des Wächter-Lymphknotens, die nachgeschalteten Lymphknoten genauer untersucht werden. Wurde dieses Verfahren angewendet, wird die pN-Kategorie durch (sn) gekennzeichnet, also z. B. N0(sn) = histologisch keine Lymphknotenmetastasen, N1(sn) = Befall des bzw. der Wächterlymphknoten.

M Metastasen:

M0: keine Anzeichen für Fernmetastasen
M1: Fernmetastasen vorhanden
Die früher erlaubte Klassifikation MX (keine Aussage über Fernmetastasen möglich) ist in der aktuellen Version der TNM-Klassifikation nicht merh vorhanden. Wenn im Rahmen der Untersuchung keine Fernmetastase (also M1) festgestellt werden kann, ist keine Aussage zum Vorhanden sein von Fernmetastasen zu treffen. Ergänzend kann die Lokalisation der Metastasen angegeben werden und dadurch die Lage der Tumormetastase spezifiziert werden.

Ein M0 wird in der Regel nach Untersuchung der am häufigsten von Metastasen betroffenen Organe angenommen, wenn dabei nichts auffälliges festgestellt wird. Je nach Krebsart unterscheiden sich dabei die Methoden der Untersuchung.

Das Stagingsystem erhebt nicht den Anspruch, die Ausbreitung einer Krankheit vollständig zu beschreiben. Vielmehr ermöglicht es eine grobe Klassifikation, eine Einschätzung der Prognose und eine systematische Aufzeichnung des Verlaufs einer Krebs-Erkrankung.