Innovationen in der Onkologie: Das Immunsystem als Waffe im Kampf gegen Krebs

Die effektivste Waffe gegen Krebs trägt jeder in sich: Das eigene Immunsystem. Jeden Tag entstehen im Körper aus normalen Körperzellen Krebszellen, die vom Immunsystem erkannt und zerstört werden. Schaffen es die Krebszellen, sich der Zerstörung durch das Immunsystem zu entziehen, entstehen manifeste Krebserkrankungen. Wie können Krebszellen das Immunsystem austricksen und wie lässt es sich im Kampf gegen Krebs mit Hilfe innovativer Arzneimittel wieder reaktivieren? Diese Fragen sind Gegenstand aktueller onkologischer Forschung.

Gehüpft wie gesprungen? - Schritt für Schritt zu verbesserten Heilungs- und Überlebenschancen

Die Onkologie durchlief in den letzten Jahrzehnten einen regelrechten Paradigmenwechsel: Standen Ärztinnen und Ärzten Anfang der 2000er Jahre nur knapp 70 Wirkstoffe zur Behandlung von Krebs zur Verfügung, hat sich ihr Spektrum deutlich auf rund 250 Substanzen erweitert. Neben zielgerichteten Wirkstoffen, die auf ein bestimmtes Molekül auf der Oberfläche von Tumoren abzielen, stehen heute auch Krebsimmuntherapien zur Verfügung, die dem Immunsystem helfen Krebszellen zu erkennen und zu zerstören. Beide Molekülklassen stellen im Bereich der Onkologie zwei große Sprunginnovationen der letzten 15 Jahre dar: Damit gehen massiv verbesserte Überlebens- und Heilungschancen bei zahlreichen Krebserkrankungen einher.

Doch bei der alleinigen Sprunginnovation blieb es nicht. Damit sich das Potential solcher Innovationen voll entfalten kann, waren und sind zahlreiche weitere Innovationsschritte notwendig. Denn der heutige Stand der Versorgung in der Onkologie ist nicht das Ergebnis von zwei bahnbrechenden Entwicklungen allein, sondern vor allem von konsequenter, kontinuierlicher Forschung und Entwicklung und graduellen Verbesserungen. Ein Ergebnis dieser schrittweisen Weiterentwicklung: Krebsimmuntherapie und zielgerichtete Wirkstoffe sind heute etablierte Standardverfahren in der Onkologie - und sie entwickeln sich stetig weiter. Ausgehend von einem One-size-fits-all-Ansatz, prägen nun zunehmend immer feiner auf die jeweiligen Eigenschaften des Tumors abgestimmte Kombinationen aus Molekülen, beispielsweise Krebsimmuntherapie in Kombination mit Chemotherapie, weiteren Krebsimmuntherapien oder zielgerichteten Wirkstoffen das therapeutische Spektrum.

Immunsystem im Ruhemodus: Der Siegeszug der Krebsimmuntherapien

Um der Zerstörung durch das Immunsystem zu entgehen, entwickeln Tumore verschiedene Strategien. Krebsimmuntherapien setzen an diesen Strategien an und versetzen das Immunsystem wieder in die Lage, die Krebszelle zu erkennen und zu zerstören. Durch diesen Therapieansatz konnten bei Patient:innen im fortgeschrittenen Erkrankungsstadium nie gesehene therapeutische Erfolge erzielt werden. Patient:innen sprechen lange auf die Therapien an, teilweise über Jahre und das bei guter Lebensqualität. Doch es zeigte sich schnell: Das Potential des Ansatzes ist noch lange nicht ausgeschöpft, denn nur rund ein Drittel der Patient:innen zeigen bislang ein effektives und langes Ansprechen auf die Therapie. Warum bei den übrigen Patient:innen die erhoffte Wirkung ausbleibt und wie das therapeutische Ansprechen weiter angehoben werden kann, wird derzeit in zahlreichen Studien untersucht.

Kombinationstherapien treiben hier maßgeblich den medizinischen Fortschritt voran. Wie wirken sie und warum sind sie für viele Patient:innen gar die einzige Hoffnung auf eine möglichst individuelle, wirkungsvolle Therapie?

1+1=3 - oder warum es für komplexe Krankheiten intelligenter Lösungen bedarf

In der Entstehung von Krebserkrankungen spielt das Immunsystem eine zentrale Rolle. Ein Modell, das das Zusammenspiel von Immunsystem und Tumor beschreibt, ist das Immunphänotypen-Modell. Grob vereinfacht lassen sich alle Krebserkrankungen in drei verschiedene Immun-Phänotypen einteilen:

Das Immunsystem kann demnach an unterschiedlichen Stellen daran gehindert werden, den Tumor effektiv zu bekämpfen. Beispielhaft lässt sich das an einer Bahnreise darstellen: Die Koffer sind gepackt, aber es fährt kein Zug; das Immunsystem ist nicht in der Lage, den Tumor anzugreifen. Dies wird als “immune desert-Phänotyp” (Immun-Wüste) bezeichnet. Es gibt also einen Tumor, aber kein Immunsystem, das diesen bekämpft. Eine Bahnreise kann allerdings auch daran scheitern, dass ein Baum auf den Gleisen liegt; der Weg ist versperrt. Die Immunzellen sind also aktiv, werden aber daran gehindert, zum Tumor vorzudringen, es ist “immune excluded”. Das kann beispielsweise der Fall sein, wenn Blutgefäße oder Bindegewebe den Weg zu den Tumorzellen versperren. Eine dritte Variante ist, dass der Zug zwar am Ziel ankommt, der Passagier aber nicht aussteigen kann. Das Immunsystem ist also in den Tumor gelangt, wird dort allerdings daran gehindert, den Tumor anzugreifen.

Es gibt also mehrere Möglichkeiten, durch die das Immunsystem gehindert sein kann, den Tumor zu zerstören. Bei manchen Patient:innen ist nur eine Etappe auf dem Weg zum Ziel gestört, bei anderen mehrere gleichzeitig. Hier können Kombinationstherapien den Unterschied machen und an mehreren Angriffspunkten ansetzen. So werden beispielsweise schon heute Kombinationen von Krebsimmuntherapien mit weiteren therapeutischen Antikörpern erfolgreich eingesetzt, beispielsweise bei fortgeschrittenem Leberkrebs oder Lungenkrebs. Es zeigt sich dabei, dass die Kombination der unterschiedlichen Wirkprinzipien synergistische Effekte auf den Tumor haben: Der Tumor wird von verschiedenen Seiten angegriffen und die Immunantwort zusätzlich verstärkt.

Neben bestehenden Kombinationsansätzen sind eine Vielzahl weiterer Kombinationstherapien in der klinischen Erprobung. Auch neue Wirkstoffe und vollkommen neue therapeutische Ansätze, wie beispielsweise Krebsvakzine, werden als mögliche Kombinationspartner untersucht mit dem Ziel Patient:innen eine individuelle und wirkungsvolle Behandlungsmöglichkeit anbieten zu können.

Lesen Sie unseren Beitrag zum Kombinationsrabatt hier.

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