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Erfahrungsbericht Gebärmutterhalskrebs

Stephanie G. erkrankte 2018 an Gebärmutterhalskrebs. Hier berichtet sie über die Zeit der Diagnose und Therapie.

Das Abflugdatum steht fest, die Vorfreude ist riesig: Stephanie G. steht im August 2018 kurz davor, mehrere Monate im sonnigen Kalifornien zu verbringen. Dass sie diese Reise nie antreten wird, ist in diesem Moment noch jenseits ihres Vorstellungsvermögens.

Unsicherheit & Überforderung bestimmen die Gefühlslage

Sie telefoniert anschließend mit ihrer besten Freundin, die sie an eine befreundete Gynäkologin verweist. „Mir war es extrem wichtig, dass ich vertrauen zu den Mediziner:innen habe, in deren Hände ich mich begebe. Ich fühlte mich regelrecht ausgeliefert und fremdbestimmt. Bei ihr wurde ich erstmals richtig aufgeklärt, mögliche Optionen aufgezeigt und die Diagnose verständlich erklärt. In diesem Moment hab ich dann auch auf mein Bauchgefühl gehört und entschieden: Das Kinderwunsch-Thema hake ich ab. Jetzt geht es darum, mein eigenes Leben zu retten.” Auf Empfehlung der Gynäkologin entschied sich Stephanie dafür, ihre Gebärmutter entfernen zu lassen. Die Operation verläuft gut, Stephanie rechnet fest damit, dass sie ihre Kalifornien-Reise bald antreten kann. Als zwei Wochen später dann die Nachbesprechung des pathologischen Befundes anstand, sieht die Situation allerdings ganz anders aus: „Ich wunderte mich schon, dass die Ärzt:innen mich zu viert empfangen. Spätestens bei der Begrüßung: „Hallo Frau G., wie geht’s ihnen, wir haben heute hauptsächlich gute Nachrichten”, wurde ich stutzig” Die Operation ist zwar erfolgreich verlaufen, der Tumor konnte vollständig entfernt werden, beim pathologischen Befund wurde im Nachhinein festgestellt, dass das Krebsstadium schon weiter fortgeschritten war, als die Datenlage vorab vermuten ließe. Auch der Verdacht auf Metastasen besteht, so dass Lymphknoten entfernt werden müssen. Das hätte bereits in der ersten OP gemacht werden können, wenn die Datenlage eindeutig gewesen wäre. „Das war ein richtiger Schock”, erinnert sich Stephanie: Direkt nochmal operieren? „Mein Körper war noch ganz schön schwach von der ersten OP, dazu die ganzen Voruntersuchungen, die zu so einem Eingriff dazu gehören, von der emotionalen Belastung ganz zu schweigen. Ich war sauer und wütend: Warum wurde da nicht gründlicher gearbeitet? Sind da Daten verloren gegangen? Das sollte doch heutzutage nicht mehr passieren.”

“Das war wie Cha-Cha-Cha – Ein Schritt nach vorne und dann wieder einer zurück”

Auch bei dieser Entscheidung bleibt Stephanie keine andere Wahl als den Ärzt:innen zu vertrauen. „Glücklicherweise habe ich im Bekannten-und Kolleg:innenkreis einige Mediziner:innen. Ich habe ganz viel rumgefragt, um mich wirklich abzusichern, dass der nächste Schritt der richtige ist. Die zweite OP ist erfolgreich verlaufen, rund 35 Lymphknoten und das krebsartige Gewebe konnten entfernt werden, der Verdacht auf Metastasen hat sich nicht bestätigt. In Stephanie’s Fall war die radikale Operation der richtige Weg, so dass auf eine Chemotherapie oder Bestrahlung verzichtet werden konnte. Im Anschluss folgten engmaschige Tumorkontrollen, alle 10-12 Wochen. Stephanie kämpft noch mit Nebenwirkungen der Operation, entwickelt ein Lymphödem und bekommt einen Bandscheibenvorfall. Was Stephanie in dieser Zeit gelernt hat: „Ich lebe im Hier und Jetzt - nur das zählt. Mein Körper sagt mir, was heute geht und was nicht. Mein Leitgedanke war immer: Das ist wie Cha Cha Cha: ein Schritt vor, ein Schritt zurück und so habe ich mich dann durch die Krankheit durchgekämpft.” Drei Jahre nach der Diagnose nimmt Stephanie regelmäßige Nachsorgetermine war. „Ich bin jedes Mal aufgeregt, dass doch wieder was sein könnte, diese Angst geht nicht weg. Trotzdem kommt mit jedem Termin auch wieder Sicherheit, den Krebs besiegt zu haben.”

Vor dem Aufbruch möchte Stephanie noch alles Wichtige erledigen, um die nächsten Monate unbeschwert genießen zu können. Dazu gehört auch die regelmäßige Vorsorgeuntersuchung in der gynäkologischen Praxis, die sie regelmäßig wahrnimmt. Eigentlich ein reiner Routinecheck, bis ihre Gynäkologin während der Untersuchung sagt: „Eine Sache gefällt mir hier jetzt nicht so gut”. Das Zellmaterial, das aus dem Muttermund und Gebärmutterhals entnommen wurde, weist Auffälligkeiten auf, die im Labor weiter abgeklärt werden. Wenige Tage später erhält Stephanie einen Anruf. „Ich erinnere mich noch genau daran, denn das war der Tag meines 39. Geburtstags”. Stephanie wird mitgeteilt, dass hochgradige Zellveränderungen im Gebärmutterhals festgestellt wurden. Zur weiteren Überprüfung und um eine Krankheitsdiagnose zu stellen, folgt im nächsten Schritt eine kegelförmige Ausschabung des befallenen Gewebes, die sogenannte Konisation. An das anschließende Arzt-Gespräch erinnert sich Stephanie mit großem Unbehagen. Direkt wird sie mit einer sensiblen Frage konfrontiert: „Haben Sie denn schon Kinder?” Es sieht nämlich nicht gut aus. Dann begann der Arzt über die vorliegenden Befunde zu sprechen. Wörter wie „krebsartig”, Zervixkarzinom und Malignom fallen. Als ein Zustand der puren Überforderung, beschreibt Stephanie rückblickend dieses Gespräch. „Dieses Ärztedeutsch hat mich einfach nur gestresst. Ich konnte den Ernst der Lage überhaupt nicht einschätzen.” Auch die Frage nach dem Kinderwunsch spukt ihr im Kopf herum. Kinder – ja vielleicht irgendwann mal noch, aber das in dieser Situation plötzlich entscheiden zu müssen, war für Stephanie unvorstellbar.

„Vorsorgeuntersuchungen können Leben retten - Keine Frau muss an Gebärmutterhalskrebs sterben”, das möchte Stephanie allen Frauen mitgeben.

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