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Chlamydien

Merke ich nichts - dann hab ich nichts? Ohne entsprechenden Test bleiben Infektionen oft unerkannt und können bei Männern und Frauen im schlimmsten Fall zu Unfruchtbarkeit und weiteren gesundheitlichen Einschränkungen führen.

Auf einen Blick

  • Chlamydia trachomatis ist ein Bakterium, das sich als Parasit in den Zellen von Schleimhäuten im Augen-, Atemwegs- oder Genitalbereich einnistet. Relevant für viele Entzündungen sind die Unterarten D bis K.1

  • Allein in Deutschland wird die Zahl der Neuinfektionen auf 300.000 pro Jahr geschätzt. Mangels Meldepflicht und standardmäßiger Testung geht man von einer viel höheren Dunkelziffer aus.

  • Juckreiz, Brennen, Schmerzen im Genitalbereich, beim Wasserlassen oder beim Verkehr können Anzeichen einer Infektion mit Chlamydien sein. Oftmals merkt man aber gar nichts.2

  • Regelmässige Vorsorge beim Arzt mit einem entsprechenden Test hilft langfristige Folgen zu verhindern. Kondome beim Geschlechtsverkehr reduzieren das Ansteckungsrisiko.

  • Eine Infektion mit Chlamydien kann zu kurzfristigen Beschwerden (Entzündungen und Hautveränderungen im Genitalbereich bzw. Unterleib), aber auch zu langfristigen Erkrankungen führen, wie Unfruchtbarkeit oder Eileiterkrebs.3

  • Bei einem entsprechenden Befund entscheidet der behandelnde Arzt über eine angemessene Therapie. In vielen Fällen reicht eine Behandlung mit Antibiotika aus, wenn die Infektion rechtzeitig erkannt wird.

  • Leider ist in Deutschland immer noch viel Aufklärungsarbeit nötig, damit verstanden wird, dass Geschlechtskrankheiten kein Tabuthema sind. Man geht davon aus, dass im Laufe des Lebens sich die meisten Menschen mindestens einmal mit einer sexuell übertragbaren Infektion anstecken. Jeder kann dazu beitragen, dass das Thema offen behandelt wird.

Während junge Frauen zum Frauenarzt/Frauenärztin gehen, um sich über Verhütung, Kinderwunsch oder einfach aus Gründen der Vorsorge zu informieren und untersuchen zu lassen, fehlt jungen Männern oftmals die entsprechende Anlaufstelle. Hinzu kommt, dass Geschlechtskrankheiten wie eine Chlamydien-Infektion, in sehr vielen Fällen von den Betroffenen nicht mal bemerkt wird.

Wodurch kann eine Übertragung erfolgen?

Chlamydien werden bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr übertragen. Für eine Ansteckung ist ein direkter Kontakt der empfänglichen Schleimhaut mit infektiösen Körperflüssigkeiten erforderlich. Eine Ansteckung ist deshalb bei allen sexuellen Praktiken möglich, bei denen Schleimhaut mit Schleimhaut Kontakt hat. Neugeborene können sich während der Geburt beim Durchtritt durch die mütterliche Scheide anstecken.

Es ist unwahrscheinlich sich auf einer öffentlichen Toilette mit Chlamydien anzustecken, ebenso wenig wie über die gemeinsame Nutzung von Handtüchern. Eine Ausnahme ist die seltene “Schwimmbadkonjunktivitis”, eine bakterielle Bindehautentzündung, die häufig von Chlamydien ausgelöst wird. Diese kann nach dem Besuch eines Schwimmbads auftreten.4

Wie erkenne ich eine Infektion?

Da Chlamydien bei 70 Prozent der Frauen und 90 Prozent der Männer keine auffälligen Schmerzen oder andere Symptome auslösen, bleibt eine Infektion in der Regel völlig unbemerkt. Zu den in Einzelfällen beobachteten Anzeichen gehört bei Männern eine Entzündung der Harnröhre: Es juckt oder brennt beim Wasserlassen. Frauen bemerken in seltenen Fällen vermehrten Ausfluss, Juckreiz oder Brennen während des Wasserlassens.5

Wie sieht ein typischer Verlauf aus?

Inkubationszeit
Die Inkubationszeit für die Erstinfektionen beträgt etwa 1 bis 3 Wochen.

Dauer der Ansteckungsfähigkeit
Eine exakte Dauer der Ansteckungsfähigkeit kann aufgrund asymptomatischer Verlaufsformen der Infektionen nicht angegeben werden.

Diagnostik
Erregernachweis: Für den Nachweis einer Infektion ist der direkte Erregernachweis die Methode der Wahl. Die Auswahl der geeignetsten Methode hängt vom klinischen Bild und der Zielstellung der Diagnostik im individuellen Fall ab. (Indirekt) Antikörper werden nach Infektion mit C. trachomatis erst nach 6 bis 8 Wochen messbar, sind also bei einer akuten Infektion nicht unbedingt zu erwarten.6

Was sind die Folgen einer Infektion?

Frauen haben ein hohes Risiko, von Chlamydien-Infektionen langfristig geschädigt zu werden, wobei die Unfruchtbarkeit die gravierendste Folge ist.

Männer mit einer Chlamydien-Infektion verbreiten die Krankheit zwar weiter, erleiden durch die Infektion aber selbst nur äußerst selten langwierige Gesundheitsprobleme.Warum ist Früherkennung so wichtig?

Chlamydien sind vor allem für sehr junge Frauen gefährlich, denn deren Genitaltrakt weist vermehrt zylindrisch geformte Zellen auf, die die Bakterien bevorzugen. Auch sind die lokalen Abwehrkräfte in der Scheide noch unvollständig ausgebildet, besonders bei jungen Raucherinnen. So können die Chlamydien in die Gebärmutter wandern und dort eine Entzündung auslösen.

Bleibt die Entzündung unbemerkt und unbehandelt, gelangen die Erreger weiter hinauf in die Eileiter. Im Laufe von Jahren verkleben und vernarben sie dort schlimmstenfalls Abschnitte der Eileiter, die die Eizellen auf ihrem Weg aus dem Eierstock in die Gebärmutter passieren müssen. Dies hat Schätzungen zu Folge allein in Deutschland vermutlich bereits 100.000 Frauen unfruchtbar gemacht. Auch chronische Unterleibsschmerzen und Bauchhöhlenschwangerschaften gehen auf das Konto der heimlich eingewanderten Keime. Denn wenn einem bereits befruchteten Ei – für die winzigen Spermien bleibt der Eileiter oft passierbar – der Weg vom Eierstock in die Gebärmutter blockiert ist, kann es unter Umständen in die Bauchhöhle entweichen und sich dort unter der Bauchdecke anheften.

Bei nahezu 90 % aller Frauen mit Tubenverschluss können C. trachomatis spezifische Antikörper nachgewiesen werden.1

Symptome und Verlauf

Wann ist eine Untersuchung sinnvoll?

Werden Beschwerden, wie Jucken, Brennen, Ausfluss oder Unterleibsschmerzen bemerkt, sollte ein Arzt aufgesucht und nach einem Test gefragt werden.

Aber auch ohne spürbare Symptome gibt es Situationen im Leben, bei denen man Klarheit sucht. Beispielsweise in einer neuen Partnerschaft ist es ein Zeichen von Verantwortungsbewusstsein und Vertrauen, wenn sich beide Partner untersuchen lassen. Manchmal hat man nicht die Gelegenheit vorher diese Themen zu besprechen oder erfährt sogar von der Untreue des Partners. Statt diese Unsicherheit auszuhalten, kann hier ein Test zuverlässig für Sicherheit sorgen. Sollte eine Infektion nachgewiesen werden, ist es in der Regel rechtzeitig genug um behandelt zu werden. So können langfristige Folgen meist ausgeschlossen werden.

Die Inkubationszeit (Zeit von der Ansteckung bis zur Erkrankung) beträgt zwischen ein und drei Wochen, kann aber auch in Ausnahmefällen bis zu sechs Wochen betragen.7 Dies sollte bei dem Testzeitpunkt berücksichtigt werden. Empfehlenswert ist es außerdem einige Zeit nach einer Behandlung mit einem Test zu kontrollieren

Wo kann man sich untersuchen lassen?

Untersuchungen werden beim Gynäkologen/Gynäkologin, beim Urologen, Arzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten oder beim Gesundheitsamt etc. angeboten.

Möchte man sein Risiko für eine Chlamydien-Infektion und andere sexuell übertragbare Infektionen (STI) abschätzen, so bietet das WIR – Walk In Ruhr, Zentrum für Sexuelle Gesundheit und Medizin einen anonymen Online-STI-Risikotest.

Wie werden die Tests durchgeführt?

Prinzipiell unterscheidet man in der Art des Probenmaterials (Urin oder Abstrich) und durch wen die Abnahme erfolgt (Selbsttest oder durch einen Arzt).

Da es je nach Sexualpraktik unterschiedliche Infektionsorte im Körper geben kann, macht es mitunter Sinn, wenn an mehreren Stellen ein Abstrich genommen wird (zum Beispiel im Bereich der Scheide, des Afters, des Penis oder auch des Rachens). Für eine routinemäßige Untersuchung (Patient ohne Symptome im Rahmen der jährlichen Vorsorge) reicht eine Urinprobe. Entsprechende Anweisungen erhält man in der Arztpraxis.

Die Probe wird anschließend im Labor in der Regel mit PCR-Technik untersucht. Durch dieses sehr sensitive Verfahren können auch sehr geringe Mengen des Bakteriums nachgewiesen werden.

Selbsttests sind in Deutschland zwar teilweise möglich, aber bergen das Risiko von unsachgemäßer Anwendung. Hier liegen zur Zeit noch keine umfangreichen Erfahrungen vor.

Wie läuft die Behandlung im Falle einer Infektion ab?

Frauen mit Kinderwunsch entdecken ihre durch eine unbemerkte und unbehandelte Chlamydien-Infektion verursachte Unfruchtbarkeit häufig erst viele Jahre nach der Infektion – zu spät für eine effektive Behandlung. Dabei ist diese relativ einfach. Eine akute Infektion mit Chlamydien kann durch eine zehn-, besser vierzehntägige Antibiotikabehandlung ausgeheilt werden. Der Partner sollte in diese Therapie mit einbezogen werden. Offenheit hilft, dass Ping Pong Effekte vermieden werden können.

Da Chlamydien kaum Resistenzen zeigen, gelingt es in der Regel, die Erreger abzutöten. Eine erfolgreiche Antibiotikatherapie schützt allerdings nicht vor einer erneuten Chlamydien-Infektion. Deshalb gelten die Empfehlungen für einen sicheren Infektionsschutz – Verwendung von Kondomen – auch nach einer erfolgreich behandelten Chlamydien-Infektion. Natürlich ist es dennoch wichtig, sich regelmäßig testen zu lassen.

Diagnose und Behandlung

Schutz vor Infektionen

Den 100%igen Schutz vor Chlamydien gibt es nicht. Aber man kann das Risiko einer Infektion reduzieren, indem Kondome verwendet werden. Hierbei spielt weniger der Verhütungsaspekt eine Rolle, sondern eher die Barriere bei der Übertragung von möglicherweise infektiösen Körperflüssigkeiten.

Einen Schutz vor den Folgen einer Infektion bietet auf jeden Fall ein Test auf Chlamydien, der beim Arzt oder Gesundheitsamt durchgeführt werden kann.

Der wichtigste Schutz vor einer verschleppten Chlamydieninfektion ist daher die Möglichkeit sich testen zu lassen. Ob mit oder ohne spürbare Anzeichen - pro Jahr zahlt die Krankenkasse jungen Frauen bis 25 Jahren einmal einen Chlamydientest. Dafür wird lediglich Urin verwendet und es tut nicht weh.

In Deutschland gibt es regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen auf Chlamydien bei bestehender Schwangerschaft. Im Rahmen dieser Schwangerenvorsorge ist der Nachweis von Chlamydien eine Leistung der gesetzlichen Krankenkasse, so dass keine Kosten anfallen. Denn für Schwangere bergen Chlamydien-Infektionen ein erhöhtes Risiko, durch den Eintritt vorzeitiger Wehen und eines vorzeitigen Blasensprungs eine Frühgeburt zu erleiden – außerdem können sie während des Geburtsvorgangs beim Neugeborenen Infektionen der Augen und Atemwege auslösen.

Ja. In Deutschland können sich einmal jährlich alle Frauen bis zu einem Alter von 25 Jahren ohne konkreten Anlass (also auch ohne irgendwelche Anzeichen einer Infektion zu haben) auf Chlamydien untersuchen lassen. Sollten Symptome bestehen oder ein entsprechender Verdacht auf eine Infektion vorliegen, erfolgt die Testung auch ohne Altersbeschränkung kostenlos.

Wichtig zu wissen, dass diese Vorsorge nicht zwingend vom Arzt nachgehalten oder angeregt wird. Daher gilt die Empfehlung selbst das Thema beim nächsten Arztbesuch anzusprechen und sich informieren zu lassen.

Ja. Ein offener und vertrauensvoller Umgang in einer Partnerschaft - besonders mit sogenannten Tabuthemen wie Geschlechtskrankheiten - schützt letztlich alle vor möglichen schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen.

Abhängig vom Alter der Frau und ob Beschwerden vorliegen oder nicht werden die Kosten für einen Chlamydientest von den Krankenkassen übernommen. In Deutschland können sich einmal jährlich alle Frauen bis zu einem Alter von 25 Jahren ohne konkreten Anlass (also auch ohne irgendwelche Anzeichen einer Infektion zu haben) auf Chlamydien untersuchen lassen. Sollten Symptome bestehen oder ein entsprechender Verdacht auf eine Infektion vorliegen, erfolgt die Testung auch ohne Altersbeschränkung kostenlos. Um eine Übertragung auf das Neugeborene zu vermeiden, wird außerdem im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge auf Chlamydien getestet.

Bei entsprechenden Beschwerden wird der Test auch für Männer von den Krankenkassen erstattet.

Im Rahmen der Verschreibung der PrEP (Präexpositionsprophylaxe HIV) sollte die Beratung und Testung durch einen entsprechenden Arzt erfolgen.9

Ja, unbedingt, da die meisten Infektionen ohne Test unerkannt bleiben. Gerade weil Betroffene oft nichts von der Infektion merken, könnte man denken, dass man nichts zu unternehmen braucht: Keine Beschwerden, kein Arztbesuch, alles gut. Wirklich? Die Spätfolgen einer verschleppten Chlamydieninfektion können Einfluß auf die Lebensplanung haben. Zu einem Zeitpunkt, wo man oft nicht mehr behandeln kann. Dieser Umstand hat dazu beigetragen, dass es seit mehr als 10 Jahren das sogenannte Chlamydienscreening gibt: Ein jährliches, kostenloses Testangebot an alle Frauen bis 25 Jahre. Was ist schon eine Urinprobe im Vergleich zu den Risiken, die eine Chlamydieninfektion mit sich bringt. Und die Chance, sich alle Lebenswünsche offen zu halten.

Nein, daher ist ein Test umso wichtiger, damit Infektionen nicht unerkannt bleiben. Welche Impfungen bei sexuell übertragbaren Infektionen von der Stiko empfohlen sind, sind hier nachzulesen.

  • Wie kann man sich effektiv vor Chlamydien schützen?
  • Gibt es Vorsorgeuntersuchungen gegen Chlamydien in der Schwangerschaft?
  • Gibt es auch regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen gegen Chlamydien für nicht schwangere Frauen?
  • Sollte man sich bei einer neuen Partnerschaft testen lassen?
  • Sind Chlamydien Tests kostenlos?
  • Sollte man sich regelmäßige testen lassen?
  • Kann man sich gegen Chlamydien impfen lassen?

Häufigkeit von Infektionen

Genitale Chlamydien der Gattung Chlamydia trachomatis (Untergruppe D bis K) werden ausschließlich über Sexualkontakte übertragen – und zwar über alle Arten von Schleimhautkontakten.1 Dabei nisten sich die Erreger bevorzugt in der Schleimhaut sehr junger Frauen ein. Da Jugendliche heute deutlich früher ungeschützt erste sexuelle Erfahrungen sammeln als noch vor einigen Jahren, steigt damit auch die Anzahl der Chlamydien-Infektionen. Neben Frauen sind auch Männer betroffen, allerdings fehlt gerade jungen Männern oftmals die entsprechende ärztliche Anlaufstelle.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird die Zahl der Chlamydieninfektion weltweit auf über 140 Millionen geschätzt. Über 6 Millionen Fälle von Erblindung vor allem in Ländern Afrikas und Lateinamerikas, dem Nahen Osten, sowie Zentral- und Südostasien sollen auf eine Chlamydien-Infektion zurückzuführen sein.

Infektion mit Chlamydia trachomatis ist laut European Centre for Disease Prevention and Control ( ECDC - www.ecdc.europa.eu ) die am häufigsten gemeldete sexuell übertragbare Krankheit in Europa. 2007 wurden über 250.000 bestätigte Fälle in 22 Ländern der europäischen Region gezählt. Demnach kommen auf 100.000 Menschen im Schnitt 122,6 Infizierte. Am häufigsten betroffen sind junge Frauen zwischen 15 und 20 Jahren. Bei Jugendlichen steigt die Quote an Infektionen auf 367,5 pro 100.000 Menschen. Die Dunkelziffer wird jedoch höher eingeschätzt, da eine Chlamydieninfektion nur selten auffällige Symptome erzeugt und nicht meldepflichtig ist. Dabei lassen sich die winzigen Bakterien, wenn sie in einem einfachen Test rechtzeitig nachgewiesen werden, effektiv bekämpfen.

Mädchen und Jungen werden heute deutlich früher geschlechtsreif und sexuell aktiv als noch vor einigen Jahrzehnten.

Junge Mädchen sind besonders gefährdet. Für sie besteht ein größeres Ansteckungsrisiko, da aus anatomischen Gründen sich Chlamydien am Muttermund leichter niederlassen können.4

Mehr standardmäßig durchgeführte Tests könnten dazu beitragen, das Infektionsrisiko mit Chlamydien noch besser bewerten zu können. Das bedeutet dann nicht, dass es mehr Infektionen gibt, sondern nur, dass die vorhandenen tatsächlich nachgewiesen werden können.

Nein. In Deutschland erfasst das Robert Koch Institut in Berlin sogenannte meldepflichtige Infektionen, um gezielt gegen diese Infektionen vorgehen und medizinische Maßnahmen gegen sie koordinieren zu können. Dazu zählt derzeit die Chlamydien-Infektion nicht. Eine Ausnahme besteht in Sachsen, wo eine sogenannte erweiterte Meldepflicht für Chlamydien besteht.

  • Warum kommen Chlamydien so häufig vor?
  • Wie verbreitet sind Chlamydien unter Jugendlichen?
  • Kommen Chlamydien Infektionen heute häufiger vor als früher?
  • Besteht eine Meldepflicht für eine Chlamydien-Infektion?

Ursachen und Folgen einer Infektion

Den Forschungsergebnissen der Ärztlichen Gesellschaft zur Gesundheitsförderung der Frau zufolge ist die Chlamydien-Infektion in Deutschland eine in dreifacher Weise unbekannte Krankheit:

  • Sie ist als Krankheit unbekannt – die meisten Jugendlichen haben nie von Chlamydien gehört.

  • Sie bleibt bei Infizierten aufgrund ihrer fehlenden Symptome unerkannt.

  • Eine Infektion wird von Ärzten nicht systematisch erfasst (keine Meldepflicht außer in Sachsen). Deshalb beruhen Zahlen über die Verbreitung von Chlamydien-Infektionen weitgehend auf Schätzungen. Das tatsächliche Ausmaß ist unbekannt.

Wenn mehr Menschen - besonders junge Männer und Frauen - aufgeklärt sind, können sie selbst Verantwortung für sich und ihren Körper übernehmen. Zum Glück ist die Diagnostik und Therapie inzwischen so fortgeschritten, dass man zuverlässig Aussagen über eine mögliche Infektion treffen und eine Behandlung starten kann. Diese Chance sollte jeder für sich nutzen.

Genitale Chlamydien-Infektionen sind die häufigste Ursache erworbener Unfruchtbarkeit in den westlichen Industrieländern. Mindestens ein Fünftel aller Fälle von Unfruchtbarkeit bei Frauen, so schätzen Experten, gehen in diesen Ländern auf das Konto verschleppter Chlamydien-Infektionen. Für diejenigen Fälle von Unfruchtbarkeit, die durch Tubenverschluss (Eileiterverschluss) hervorgerufen werden, sind Chlamydien sogar zu 90 Prozent verantwortlich. Auch Bauchhöhlenschwangerschaften, chronische Unterleibsschmerzen und Frühgeburten sowie Erkrankungen von Neugeborenen können durch Chlamydien-Infektionen ausgelöst werden.1

Indizien zeigen, dass die Spermienqualität sich bei einer unentdeckten und unbehandelten Infektion durch Chlamidien vermindern kann. Weitere Folgen der Infektion sind zudem mögliche Entzündungen der Nebenhoden und Prostata sowie Harnrohrenverengungen. Diese führen ebenfalls zu Veränderungen der Organe, welche die Zeugungsfähigkeit des Mannes verringern können.8

Nein. Aber durch wechselnde Sexualpartner wird das Risiko einer Infektion zumindest erhöht und kann in die nächste Partnerschaft verschleppt werden. Ein offener und vertrauensvoller Umgang in einer Partnerschaft - besonders mit sogenannten Tabuthemen wie Geschlechtskrankheiten - schützt letztlich alle vor möglichen schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen.

Im Gebärmutterhals können sich Chlamydien einige Monate unbemerkt festsetzen, in den Eileitern sogar über viele Jahre.8

In den meisten Fällen wird die Infektion nicht bemerkt, da es entweder keine typischen oder gar keine Beschwerden gibt. Zudem besteht auch die Möglichkeit, dass Chlamydieninfektionen von alleine wieder verschwinden. Allerdings kann es dann trotzdem schon zu Verklebungen der Eileiter oder zu einer verminderten Zeugungsfähigkeit bei Männern gekommen sein.

Auch wenn in vielen Fällen Chlamydien von alleine verschwinden, viele Abläufe im Lebenszyklus von Chlamydien sind noch nicht vollständig erforscht. Um wirklich sicher zu sein, empfiehlt sich immer ein Arztbesuch und ein Chlamydientest.10

Chlamydien können sich in den Schleimhäuten von Harnröhren, dem Enddarm, dem Gebärmutterhals, der Vagina, dem Rachen, Sperma sowie in Vaginalflüssigkeit (Scheidenflüssigkeit) befinden, ebenso im Urin und dem “Lusttropfen” allerdings in geringerer Konzentration. Auch im Rachen können sich Chlamydien festsetzen, was aber nicht zu einer Erkrankung führt und gewöhnlich nach ein paar Wochen wieder verschwindet. Die Übertragung kann beim Oralverkehr erfolgen.11

Humane Herpesviren (HHV) sind für eine permanente Infektion mit Chlamydien förderlich. Diese wiederum können in bereits infizierten Zellen HHV aktivieren.12

  • Warum ist die Aufklärung über Chlamydien so wichtig?
  • Kann eine verschleppte Chlamydien-Infektion zu Unfruchtbarkeit führen?
  • Sind Chlamydien ein Anzeichen für Untreue?
  • Warum bleibt eine Infektion oft jahrelang unbemerkt?
  • Heilen Chlamydieninfektionen von alleine ab?/Verschwinden Chlamydien von selbst?
  • Welche Körperteile können von Chlamydien befallen sein?
  • Begünstigen andere Infektionen eine Erkrankung durch Chlamydien?

Häufige Fragen (FAQ)

Weiterführende Informationen

  1. https://assets.cwp.roche.com/f/94122/x/5682472080/1-chlamydien-kleine-ursache-grosse-wirkung-original-c-roche.pdf

  2. https://www.medizin.uni-tuebingen.de/de/das-klinikum/einrichtungen/kliniken/frauenklinik/jugendgynaekologie/geschlechtskrankheiten

  3. https://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/de/chlamydien-die-unterschatzte-gefahr-9257.php

  4. https://focus-arztsuche.de/magazin/krankheiten/chlamydien-erkennen-vermeiden-und-therapieren

  5. Detels R, Green AM, Klausner JD, et al. The incidence and correlates of symptomatic and asymptomatic chlamydia trachomatis and neisseria gonorrhoeae infections in selected populations in five countries. Sex Transm Dis. 2011;38:503–509.

  6. https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Chlamydiosen_Teil1.html;jsessionid=87A8EB4773AF1865C194F4100FC3B4EC.internet091#doc2382764bodyText6

  7. http://www.gesundheits-lexikon.com/Infektionskrankheiten/Chlamydien/

  8. https://www.familienplanung.de/kinderwunsch/fruchtbarkeitsstoerungen/chlamydien-infektionen/

  9. https://gesund.bund.de/chlamydien#haeufigkeit

  10. https://www.medpertise.de/chlamydien/selbstheilung/

  11. https://www.aidshilfe.de/chlamydien

  12. https://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/de/cinoca-co-infektion-als-ursache-von-ovarialkarzinomen-4974.php

Referenzen (01.02.2022)

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