Glomeruläre Filtrationsrate (GFR) und Kreatinin-Clearance

Bezeichnungen für das Klärvermögen der Niere

Die Niere hat die lebenswichtige Aufgabe, sogenannte harnpflichtige Substanzen mit dem Urin auszuscheiden und somit das Blut zu „reinigen“. Diese Filterfunktion der Niere, mit der auch die Fähigkeit zur "Entgiftung" des Körpers gemeint ist, hat zwei verschiedene Bezeichnungen.

1. Glomeruläre Filtrationsrate (GFR)

Die glomeruläre Filtrationsrate ist die Blutmenge, die von den Glomeruli (Gefäßknäuel) beider Nieren pro Minute filtriert wird. Bei einem gesunden jungen Erwachsenen beträgt die GFR ca. 120 ml/Min. Die Normwerte für ältere Menschen sind niedriger. Die GFR ist einer der wichtigsten Parameter zu Beurteilung der Nierenfunktion. Da die GFR nicht direkt gemessen werden kann, wird zu Abschätzung der GFR die sogenannte Clearance ermittelt.

2. Clearance (Klärfähigkeit)

Die Clearance ist ein Maß dafür, wie schnell die Niere bestimmte, zum Teil harnpflichtige Substanzen aus dem Blut entfernen kann. Grob gesagt misst man, wieviel von einer harnpflichtigen Substanz im Blut ist, und wieviel davon im Harn wiederauftaucht. Mit der Clearance beschreibt man also das „fiktive“ Blutvolumen, das pro Minute von einer bestimmten Substanz gereinigt (reinigen: engl. „clear“) wird. Zur Bestimmung der Clearance wird in der Regel die Substanz Kreatinin, ein Abbauprodukt des Muskelstoffwechsels, im Blut gemessen.

Schätzung der Kreatinin-Clearance bzw. GFR

Für die Schätzung der Kreatinin-Clearance und damit der eGFR („estimated GFR“: geschätzte GFR) gibt es verschiedene Formeln.

eGFR nach der CKD-EPI-Formel

Die CKD-EPI-Formel (Chronic Kidney Disease Epidemiology Collaboration) berücksichtigt die Einflussgrößen Hautfarbe, Geschlecht und Kreatininbereiche und wird von der KDIGO (Kidney Disease – Improving Global Outcomes)-Leitlinie und der DEGAM (Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin)-Leitlinie zur Abschätzung der GFR empfohlen.

Berechnung der GFR nach CKD-EPI

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eGFR nach der MDRD-Formel

MDRD steht für den Namen einer klinischen Studie (Modification of Diet in Renal Disease), in der eine weitere Formel zur Abschätzung der eGFR entwickelt wurde.

GFR (ml/min/1,73m2) = 186 x S-Krea-1,154 x Alter-0,203 [x 0,742 nur bei Frauen] [x 1,21 bei Patienten mit schwarzer Hautfarbe]

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eGFR nach der Cockcroft-Gault-Formel

Für die Schätzung der Kreatinin-Clearance nach den beiden Entwicklern mit Namen Cockroft und Gault werden Körpergewicht, Alter, Kreatinin-Wert im Blutserum und die Angabe des Geschlechtes herangezogen.

Kreatinin-Clearance = (ml/min) (140-Lebensjahre) x kg Körpergewicht
72 x Serum-Kreatinin (in mg/dl)
oder (140-Lebensjahre) x kg Körpergewicht
0,82 x Serum-Kreatinin (in µmol/l)
Wichtig: Bei Frauen wird der Wert nochmals mit 0,85 multipliziert

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Was bedeutet eine Erhöhung der Clearance/eGFR?

Erhöhte eGFR-Werte können zu Beginn einer Nierenerkrankung auftreten. Sie zeigen, dass die Niere versucht, mehr auszuscheiden. Dies kommt z. B. bei Diabetikern bereits in einer sehr frühen Phase der diabetischen Nierenerkrankung vor. Sobald dann zusätzlich im Urin sehr geringe Mengen von Eiweiß (sog. Mikroalbuminurie) ausgeschieden werden, sollte man aufmerksam werden. Diese Bestimmung des Eiweißes im Urin sollte mit Hilfe eines einfachen Teststreifens bei Diabetikern regelmäßig durchgeführt werden.

Was bedeutet eine Abnahme der Clearance/GFR?

Die Abnahme der Clearance-Werte zeigt das Nachlassen der Nierenfunktion, also den Beginn einer Niereninsuffizienz, an.

Wird nicht behandelt, schreitet die chronische Nierenerkrankung in der Regel stetig fort, d. h. die Klärfähigkeit der Niere nimmt immer weiter ab. Daher es ist von großer Wichtigkeit, eine chronische Niereninsuffizienz frühzeitig zu erkennen und ausreichend zu behandeln (z. B. Blutdrucksenkung bei Bluthochdruck).

Die Leitlinie der KDIGO (Kidney Disease – Improving Global Outcomes) teilt die Nierenfunktionsstörung je nach Ausmaß der GFR-Einschränkung in 5 verschiedene Stadien ein.

Literatur:

DEGAM (Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin): S3-Leitlinie „Versorgung von Patienten mit nicht-dialysepflichtiger Niereninsuffizienz in der Hausarztpraxis“, Berlin 2019; abrufbar unter https://www.degam.de/degam-leitlinien-379.html

Herold G (Hrsg.) Innere Medizin. Herold G, Köln, 2020.

KDIGO 2012 Clinical practice guideline for the evaluation and management of chronic kidney disease. Kidney Int Suppl 2013; 3: 1–150.