Was ist ein chronisches Nierenversagen?

Bei einem chronischen Nierenversagen (sog. chronische Niereninsuffizienz) kommt es zu einem dauerhaften und beständig fortschreitenden Verlust der Nierenfunktion. Zu Beginn der Erkrankung kann die Niere Aufgaben wie das Ausscheiden giftiger Substanzen, die Regulation des Wasserhaushaltes und die Produktion bestimmter Hormone noch teilweise erfüllen.

Mit fortschreitender Niereninsuffizienz kann die Niere ihre Aufgaben aber immer weniger wahrnehmen. Im Blut und in den Organen reichern sich giftige Substanzen an, die normalerweise mit dem Urin ausgeschieden werden (harnpflichtige Substanzen). Diese harnpflichtigen Substanzen stören den Wasser-, Elektrolyt- und Säure-Basen-Haushalt des Körpers. Darüber hinaus produziert die Nieren weniger Hormone, die für die Blutbildung und den Knochenstoffwechsel gebraucht werden.

Bei einer chronischen Niereninsuffizienz können vielfältige Symptome auftreten. Ist das Spätstadium erreicht, kommt es zur sogenannten Harnvergiftung und zu einer Überwässerung des Körpers. In diesem Krankheitsstadium muss eine Dialyse, also eine künstliche Blutwäsche, durchgeführt werden. Laut dem Jahresbericht des Gemeinsamen Bundesausschusses erhielten im Jahr 2018 mehr als 90.000 Patienten in Deutschland eine Dialyse. Von einer eingeschränkten Nierenfunktion (GFR < 60 ml/Min/1,73 m²) sind ca. 2,5 Millionen Menschen in Deutschland betroffen (Girndt et al. 2016)

Ursachen des chronischen Nierenversagens

Zu den Erkrankungen, die zum chronischen Nierenversagen führen, gehören u. a.:

  • Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit): Ein dauerhaft erhöhter Blutzuckerspiegel schädigt die kleinen Blutgefäße der Nierenkörperchen. Es kommt zur sogenannten „diabetischen Nephropathie“.
  • Bluthochdruck: Durch einen dauerhaft erhöhten Druck in den Gefäßen können die Blutgefäße der Niere und das Nierengewebe Schaden nehmen („vaskuläre hypertensive Nephropathie“).
  • Glomerulonephritis: Hierunter werden verschiedene Erkrankungen zusammengefasst, die mit einer Entzündung der Nierenkörperchen (Glomerula), also des "filternden Gefäßknäuels“, einhergehen.
  • Tubulo-interstitielle Nephritis: Hierbei kommt es zu einer entzündlichen Schädigung der Harnkanälchen (Tubuli) und des sie umgebenden Raumes, verursacht u. a. durch bestimmte Medikamente oder Stoffwechselstörungen.
  • Zystennieren: Hierbei kommt es zur Bildung von mit Flüssigkeit gefüllten Hohlräumen (Zysten) in der Niere, die Druck auf das übrige Nierengewebe ausüben und so die Nierenfunktion einschränken.

Während in den letzten Jahrzehnten der Anteil an Patienten sank, der aufgrund einer Entzündung der Niere (Glomerulonephritis, tubulo-interstitielle Nephritis) eine Nierenersatzbehandlung benötigt, stieg die Anzahl der Menschen mit Diabetes und Bluthochdruck und der dadurch verursachten Nierenerkrankungen. (Frei et al. 2008)

Betrachtet man die Patienten in Deutschland, die aufgrund ihrer Niereninsuffizienz eine Dialyse beginnen müssen, war bei jedem vierten Patienten eine Diabetes-Erkrankung ursächlich beteiligt. (IQTIG, 2019)

Nephropatie

Grunderkrankungen bei Patienten, die im Jahr 2018 eine Dialyse-Behandlung begannen, nach IQTIG 2019

Aufgrund der gestiegenen Lebenserwartung und der guten Versorgung in Deutschland mit Dialyse-Möglichkeiten ist die Zahl der Dialyse-Patienten in den letzten Jahren gestiegen. Eine Dialyse ist jedoch nicht nur für den Patienten eine Belastung, sondern auch für das Gesundheitssystem, dem dadurch hohe Kosten entstehen. Ein frühzeitiges Erkennen einer Nierenerkrankung – beispielsweise durch einfache Urintests – ist daher von zentraler Bedeutung. Nur so kann eine rechtzeitige Behandlung durch einen Nierenfach- oder Hausarzt erfolgen, um die Dialysepflicht hinauszuzögern oder sogar zu verhindern.

Literatur:

Frei U, Schober-Halstenberg HJ. Nierenersatztherapie in Deutschland. Bericht über Dialysebehandlung und Nierentransplantation in Deutschland 2006I2007.QuaSi-Niere gGmbH, 2008.

Girndt M, Trocchi P; Scheidt-Nave C et al. Prävalenz der eingeschränkten Nierenfunktion. Ergebnisse der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland 2008-2011 (DEGS1). Dtsch Arztebl Int 2016; 113: 85-91.

Herold G (Hrsg.) Innere Medizin. Herold G, Köln, 2020. 

IQTIG - Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen: Jahresbericht 2018 zur Qualität in der Dialyse. Erstellt im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschuss, 19. September 2019. https://www.g-ba.de/downloads/39-261-3977/2019-09-19_QSD-RL_IQTIG-Jahresbericht-2018-Datenanalysten.pdf (aufgerufen am 27.03.2020)