Niereninsuffizienz – Rolle des Diabetes

Bei der Stoffwechselerkrankung Diabetes mellitus kommt es zu einem erhöhten Blutzuckerspiegel. Man bezeichnet den Diabetes mellitus daher auch als „Zuckerkrankheit“. Ein dauerhaft erhöhter Blutzuckerspiegel schädigt die kleinen Blutgefäße der Nierenkörperchen. In der Folge entsteht eine Nierenschädigung, die sogenannte „diabetische Nephropathie“. Diabetes mellitus ist die häufigste Ursache einer chronischen Niereninsuffizienz in industrialisierten Ländern. Betrachtet man die Patienten in Deutschland, die aufgrund ihrer Niereninsuffizienz eine Dialyse beginnen müssen, war bei jedem vierten Patienten eine Diabetes-Erkrankung ursächlich beteiligt (IQTIG, 2019).

Risikofaktoren für eine diabetische Nephropathie

Folgende Risikofaktoren begünstigen die Entwicklung und das Fortschreiten einer diabetischen Nephropathie:

  • Erhöhter Blutzuckerspiegel
  • Erhöhung des Blutdrucks mit Schädigung der Gefäße
  • Fettstoffwechselstörung (erhöhtes Cholesterin)
  • Ausscheidung von Eiweiß (Albumin im Urin)
  • Familiäre Veranlagung
  • Rauchen

Es ist daher von großer Wichtigkeit, Blutdruck und Blutfette bei Diabetes-Patienten regelmäßig zu kontrollieren und einzustellen. Ein Rauchverzicht ist dringend angeraten.

Nierenschädigung frühzeitig erkennen

Um bei Diabetes-Patienten eine Nierenschädigung frühzeitig zu erkennen, wird einmal im Jahr die glomeruläre Filtrationsrate (eGFR) berechnet sowie der Urin auf Eiweiß (Albumin) untersucht. Albumin ist das hauptsächlich vorhandene Eiweiß im Blut, das normalerweise von den gesunden Nieren nicht gefiltert wird und somit nicht in den Harn gelangt. Das Auftreten einer sog. Mikro-Albuminurie (mildeste Form der Eiweiß-Ausscheidung im Urin) ist ein Frühsymptom einer diabetischen Nephropathie. Mithilfe spezieller Urinstreifentests kann der Arzt herausfinden, ob eine Mikro-Albuminurie vorliegt. Werden die Nierenfilter weiter zerstört, werden immer höhere Mengen an Albumin im Harn ausgeschieden. Es kommt zu einer sog Makro-Albuminurie. Da das Vorliegen von Albumin im Harn das Fortschreiten einer Niereninsuffizienz begünstigt, ist eine frühzeitige Diagnosestellung sehr wichtig.

Therapie der diabetischen Nephropathie

Bei der Behandlung einer diabetischen Nephropathie werden die oben genannten Risikofaktoren behandelt, die ein Fortschreiten der Nierenschädigung begünstigen. Dazu gehört eine gute Diabetes- und Blutdruckeinstellung. Bei der Blutdruckeinstellung werden v. a. ACE-Hemmer oder AT1-Blocker verwendet, da diese das Fortschreiten der Nierenschädigung besonders gut hemmen. Darüber hinaus müssen die Blutfettwerte gut eingestellt, eine mögliche begleitende Blutarmut (Anämie) behandelt und auf Nikotin verzichtet werden. Röntgenkontrastmitteln und Medikamente, die die Niere schädigen, wie z. B. Ibuprofen, sollten vermieden werden.

Ernährung bei diabetischer Nephropathie

Eine ernährungsmedizinische Beratung durch den behandelnden Arzt oder einen Ernährungsberater ist sehr wichtig und effektiv. Menschen mit Diabetes mellitus Typ 2, auch „Altersdiabetes“ genannt, profitieren von einer mediterranen Diät mit einem hohen Ballaststoffanteil (Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte) sowie einem hohen Maß an komplexen Kohlenhydraten (Vollkornprodukte) und ungesättigte Fettsäuren (Fisch, Olivenöl). Die Speisen sollten möglichst salzarm (Würzen mit Kräutern) zubereitet werden. Da Fertiggerichte nicht nur viel Zucker und Salz, sondern auch phosphatreiche Zusatzstoffe enthalten, sollten Fertiggerichte gemieden werden.

Ist die Niereninsuffizienz bei diabetischer Nephropathie weiter fortgeschritten, sollten die Patienten ihre tägliche Eiweißzufuhr auf 0,8 g/kg Körpergewicht (entspricht dem allgemein empfohlenen Bedarf auch für Gesunde) begrenzen. Bei einer Verschlechterung der Nierenfunktion muss unter Umständen die Kaliumzufuhr durch eine Auswahl an bestimmten Gemüsen und Zubereitungsarten begrenzt werden. In einer Ernährungsberatung erhalten Patienten zu diesen Themen eine umfassende Schulung. 

Ernährung bei Dialyse und diabetischer Nephropathie

Wird bei einer diabetischen Nephropathie eine Dialyse-Behandlung notwendig, ist es sehr wichtig, dass die Patienten von einem Ernährungsberater umfassend geschult werden. Bei Patienten mit diabetischer Nephropathie, die sich einer Dialyse unterziehen müssen, sind neben den allgemeinen Ernährungsregeln bei Dialyse noch einige Besonderheiten zu beachten, auf die der Ernährungsberater hinweist. Diabetiker sollen z. B. viel Gemüse und Obst essen, allerdings muss der dialysepflichtige Diabetiker besonders auf die nicht zu hohe Aufnahme von Kalium und Flüssigkeit achten. Gemüse und Obst werden deshalb häufig gegart und ohne Saft verzehrt. Da erhöhte Blutzuckerspiegel einerseits das Durstgefühl verstärken, zum anderen aber die Trinkmenge bei Dialyse-Patienten häufig eingeschränkt ist, sollten, wenn überhaupt, möglichst zuckerarme Süßspeisen gegessen werden. Auch bezüglich der Phosphataufnahme kann der Ernährungsberater wertvolle Hinweise geben.

Da sich der Insulin-Bedarf durch die Dialyse ändern kann, wird der Blutzucker vor und nach jeder Dialyse gemessen und die Insulin-Behandlung vom Arzt entsprechend angepasst. Eine Besonderheit stellt die Peritonealdialyse dar. Da in der Spüllösung Glukose (Zucker) enthalten ist, der zum Teil auch ins Blut gelangt, muss regelmäßig der Blutzucker kontrolliert werden und die Insulindosis vom Arzt angepasst werden.

Literatur:

Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Nationale Versorgungsleitlinie Nierenerkrankungen bei Diabetes im Erwachsenenalter – Langfassung, 1. Auflage. Version 5. 2010, zuletzt verändert: Mai 2013. Abgerufen am 08.01.2010 unter http://www.diabetes.versorgungsleitlinien.de

Frei U, Schober-Halstenberg HJ. Nierenersatztherapie in Deutschland. Bericht über Dialysebehandlung und Nierentransplantation in Deutschland 2006I2007.QuaSi-Niere gGmbH, 2008.

Herold G (Hrsg.) Innere Medizin. Herold G, Köln, 2020.

IQTIG - Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen: Jahresbericht 2018 zur Qualität in der Dialyse. Erstellt im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschuss, 19. September 2019. https://www.g-ba.de/downloads/39-261-3977/2019-09-19_QSD-RL_IQTIG-Jahresbericht-2018-Datenanalysten.pdf (aufgerufen am 27.03.2020)v. Herz U. Diabetische Nephropathie und Ernährung: Professionelle Beratung und Begleitung sind unerlässlich. Supplement: Perspektiven der Diabetologie; Dtsch Arztebl 2018; 115(41)