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Zielgerichtete Therapien des Brustkrebs

Zielgerichtete Therapien gehören zu den neuen medikamentösen Verfahren in der Krebsbehandlung. Im Gegensatz zur Chemotherapie richten sie sich nicht gegen den gesamten Körper. Stattdessen greifen die Wirkstoffe die Krebszellen direkt an, um das Tumorwachstum zu verlangsamen oder zu stoppen. Für Brustkrebs gibt es derzeit zwei Ansätze: die Therapie mit Antikörpern gegen den Rezeptor HER2 und die Therapie mit Angiogenesehemmern.

HER2-positiver Brustkrebs

Der menschliche Körper besteht aus einer Vielzahl von Zellen. Auf den Zellen befinden sich Rezeptoren: Das sind Andockstellen, die Informationen von außen in die Zelle transportieren. Rezeptoren mit dem Namen HER2 übermitteln Wachstumssignale, damit sich die Zelle teilen und vermehren kann – ein normaler Prozess. Wenn aber zu viele HER2-Rezeptoren auf der Oberfläche sitzen, erhält die Zelle ständig Impulse und vermehrt sich unkontrolliert.

Bei 15-20 % aller Brustkrebspatientinnen ist die Anzahl der HER2-Rezeptoren auf den Krebszellen deutlich erhöht. Diese Form des Mammakarzinoms wird als „HER2-positiver Brustkrebs“ bezeichnet. Der HER2-Status wird bei der Diagnose zusammen mit dem Hormonrezeptorstatus erhoben.

Mit einer zielgerichteten Antikörpertherapie werden die HER2-Rezeptoren blockiert – und so kann das Tumorwachstum gehemmt werden. Antikörper sind eigentlich Bestandteile des Immunsystems. Bei der zielgerichteten Therapie werden künstlich erzeugte Antikörper genutzt, die die Rezeptoren der Krebszellen erkennen und sie angreifen können.

Ärzte wählen die Art des HER2-Antikörpers abhängig vom Stadium der Erkrankung, auch Kombinationen sind möglich. Je nach Präparat erhalten die Betroffenen Infusionen oder Spritzen. Die Antikörper werden immer zusammen mit einer Chemotherapie gegeben.

Im frühen Stadium werden die HER2-Antikörper sowohl in der neoadjuvanten als auch in der adjuvanten Therapie zusammen mit einer Chemotherapie oder einer Antihormontherapie verabreicht.

Auch im metastasierten Stadium stehen verschiedene HER2-Antikörper zur Verfügung. Außerdem kann im metastasierten Stadium ein Tyrosinkinase-Hemmer gegeben werden, ein Medikament in Tablettenform. Tyrosinkinase-Hemmer haben einen anderen Ansatzpunkt: Sie wirken nicht an der Zelloberfläche, sondern verhindern, dass Signale innerhalb der Krebszelle weitergeleitet werden und sie sich deshalb nicht weiter vermehren können. 

Angiogenesehemmung

Für die Therapie des metastasierten Brustkrebses ist auch ein Angiogenesehemmer zugelassen. Mit dem Begriff „Angiogenese“ wird der Prozess beschrieben, bei dem sich neue Blutgefäße im Körper bilden. Blutgefäße transportieren Sauerstoff und Nährstoffe zu den Zellen. Damit ein Tumor wachsen kann, benötigt er Zugang zu solch einer Versorgungsleitung. Aus diesem Grund sendet er Botenstoffe aus, die Wachstumsfaktoren VEGF. Empfängt ein Blutgefäß das Signal, entwickelt es neue Blutgefäße in Richtung des Absenders. So wird der Tumor an das Blutgefäßsystem angebunden und anschließend darüber versorgt.

Angiogenesehemmer sind künstlich erzeugte Antikörper. Sie fangen die VEGF-Signale des Tumors ab und verhindern damit, dass sich neue Blutgefäße zum Tumor hin ausbilden können. Bereits bestehende Blutgefäße bilden sich zurück.

Angiogenesehemmer werden in Kombination mit einer Chemotherapie gegeben, um den Krebs gleich zweifach anzugreifen: Während die Chemotherapie die sich teilenden Krebszellen zerstört, kappen die Angiogenesehemmer die Blutversorgung des Tumors.  

Bisphosphonate

Brustkrebs streut oft in die Knochen und in das Knochenmark. In diesem Fall können Betroffene Bisphosphonate erhalten. Die Bisphosphonate sollen unter anderem den Knochenabbau hemmen und die Schmerzen lindern, die durch die Metastasen entstehen. Die Wirkstoffe gibt es als Infusion und als Tablette. Sie werden, je nach Wahl des Wirkstoffs, in festen Zeitabständen verabreicht.