Darmkrebs - Zielgerichtete Therapie

Angiogenese-Hemmung

Unter dem Begriff Angiogenese versteht man die Entstehung von Blutgefäßen im menschlichen Körper. Sie ist ein wichtiger Bestandteil der vorgeburtlichen Entwicklung, doch auch beim erwachsenen Menschen gibt es die Angiogenese. So werden etwa bei der Wundheilung neue Blutgefäße gebildet, damit Abwehrzellen und "Baumaterial" zur Reparatur des Gewebes herantransportiert werden können.

 

Wie stellen Tumore ihre Versorgung sicher?

Tumor bildet Wachstumsfaktoren, z.B. VEGF Tumor bildet Wachstumsfaktoren, z.B. VEGF

Auch bei Krebserkrankungen kommt es zu einer Gefäßneubildung (Tumor-Angiogenese). Tumore bestehen aus Zellen, die, wie alle anderen Zellen im Körper, Nährstoffe und Sauerstoff benötigen, die über die Blutgefäße transportiert werden. Wenn ein Tumor entsteht, hat er zunächst noch keine eigenen Blutgefäße, sondern bekommt Sauerstoff und Nährstoffe direkt aus der Umgebung.

Mit zunehmendem Wachstum kommt es zu einem Versorgungsengpass mit Sauerstoff und Nährstoffen. Daher bildet der Tumor so genannte Wachstumsfaktoren, d.h. Substanzen, die als Schlüsselsignal zur Bildung neuer Blutgefäße dienen.

VEGF stimuliert Bildung neuer Blutgefäße VEGF stimuliert Bildung neuer Blutgefäße

Weil die Adressaten unter anderem der Wachstumsfaktoren die Blutgefäße sind, werden sie als Gefäßwachstumsfaktoren bezeichnet. Der wichtigste hiervon heißt VEGF (engl.: Vascular Endothelial Growth Factor). Blutgefäße besitzen auf ihrer Oberfläche spezielle Antennen zum Empfang des VEGF-Signals. Wenn die Antennen das VEGF-Signal empfangen haben, bilden die Blutgefäße Verzweigungen und es entstehen neue Blutgefäße, und zwar in die Richtung, aus der die Signale eingetroffen sind. So wird der Tumor schon bald von einem engen Gefäßnetz umgeben.

Wenn der Tumor weiter wächst, wird der Sauerstoff bald wieder knapp. Er bildet dann neue Wachstumsfaktoren (u.a. VEGF), was zur Bildung weiterer Blutgefäße führt. Die Gefäßneubildung (Angiogenese) ist ein permanenter Prozess im Verlauf des Tumorwachstums.

Wie wird die Tumor-Angiogenese gehemmt?

VEGF-Antikörper hemmt Blutgefäßwachstum VEGF-Antikörper hemmt Blutgefäßwachstum

Das Ziel der Angiogenese-Forschung war es, zu verhindern, dass das VEGF-Signal des Tumors von den "VEGF-Antennen" auf den Blutgefäßen empfangen wird. Und in der Tat ist es gelungen, ein Medikament zu entwickeln, das genau dieses tut: einen Angiogenese-Hemmer. Bei dieser Substanz handelt es sich um einen VEGF-Antikörper, der den Wachstumsfaktor VEGF abfängt. Somit bleibt das Signal zur Gefäßneubildung aus, das Wachstum von Blutgefäßen wird gestoppt. Der Tumor wird regelrecht ausgehungert.

Antikörper werden meist in Kombination mit einer Chemotherapie verabreicht. Wie bei allen medikamentösen Therapien gibt es bei der Behandlung mit VEGF-Antikörpern Nebenwirkungen. Detaillierte Informationen zu den Nebenwirkungen einzelner Produkte entnehmen Sie bitte der Gebrauchsinformation.