Komplexe Lymphome - Die Bedeutung der Subtypen

Zitrusgross

Lymphome gehören zu den häufigsten Formen des Blutkrebses, der wiederum die fünfthäufigste krebsbedingte Todesursache weltweit darstellt1. Jedes Jahr wird bei schätzungsweise 400 000 Menschen ein Lymphom diagnostiziert1, trotzdem ist die breite Bevölkerung relativ schlecht über die Gruppe dieser komplexen Erkrankungen informiert.

Tatsächlich zeigte eine Umfrage im letzten Jahr  eine weit verbreitete Wissenslücken: Einem Drittel (32%) der Befragten war nicht bekannt, dass das Lymphom eine Art von Krebs ist, und nur 21% war das Non-Hodgkin-Lymphom (NHL), das häufigste dieser Krankheitsgruppe, bekannt.

Seit das Lymphom vor beinahe zwei Jahrhunderten das erste Mal ausführlich beschrieben wurde2, hat sich viel verändert. Bei der Art wie wir es verstehen, diagnostizieren und schlussendlich behandeln wurden signifikante Fortschritte erzielt.

Ein entscheidender Schritt war die Entdeckung, dass Lymphome in Wirklichkeit eine Gruppe verschiedenster Erkrankungen darstellen, die sich sowohl biologisch, als auch in ihren Symptomen und Prognosen unterscheiden. Nachdem anfangs zwischen Hodgkin- und Non-Hodgkin-Lymphomen unterschieden wurde3, begannen Ärzte und Forscher, zwischen aggresiven (schnell wachsende) und indolenten (langsam waschende) Lymphomen zu unterscheiden, und schlussendlich wurden  mehr als 60 verschiedene NHL-Subtypen identifiziert.

Bei den doch fundamentalen Unterschieden zwischen den einzelnen Subtypen kann man durchaus eine Analogie zu den Früchten der Familie der Zitruspflanzen herstellen. Obwohl jede Frucht Teil der selben Familie ist, so unterscheiden sie sich doch in Größe, Aussehen und Geschmack. Auf ähnliche Art und Weise bilden die NHL-Subtypen eine Art Familie, unterscheiden sich jedoch biologisch und klinisch gänzlich. Das bedeutet, dass sie auch komplett unterschiedliche Prognosen, Heilungschanden und Behandlungsansätze haben.

Dr. med. Sandra HorningDr. med. Sandra Horning, Chief Medical Officer und Head of Global Product Development bei Roche

"Während meiner Laufbahn wurde ich direkter Zeuge der vielen bahnbrechenden Fortschritte bei der Erforschung des Verhaltens der einzelnen Lymphom-Subtypen.", sagte Dr. med. Sandra Horning, Chief Medical Officer und Head of Global Product Development bei Roche, und vormals praktizierende Hämatologin und klinische Prüferin.
"Es gibt keinen einheitlichen Ansatz. Für die gesamte Behandlung ist es von höchster Wichtigkeit, dass der entsprechende Subtyp des Patienten korrekt diagnostiziert wird.


Anderer Subtyp, anderes Behandlungsziel

Neben einem besseren Verständnis auf molekularer Ebene führten die wissenschaftlichen Fortschritte  zu großen Veränderungen bei der Behandlung der Lymphome. Innovative Forschungsarbeit führte zu Entwicklung und Verfügbarkeit zielgerichteter Behandlungsmöglichkeiten. Als Resultat dieser Fortschritte haben sich die Überlebenschancen seit den späten 1990er Jahren verbessert, während die Sterblichkeitsraten zwischen 2006 und 2010 um 2,4% pro Jahr gefallen sind.4

Grob gesagt ist das Non-Hodgkin-Lymphom (NHL) eine Krankheit, bei der weiße Blutkörperchen in den lymphatischen Organen (d.h. in den Lymphknoten) abnorm wachsen und schlussendlich das Immunsystem beeinträchtigen. Es wurden zwei Hauptkategorien dieser Krankheit identifiziert, und die Herangehensweise an die Behandlung beider variiert.

Bei Patienten mit follikulärem Lymphom (FL) – der häufigsten Form des indolenten NHL – liegt der Fokus der Behandlung vorrangig darauf, die Krankheit in Schach zu halten und gleichzeitig dem Patienten eine gute Lebensqualität zu erhalten. Obwohl das follikuläre Lymphom im allgemeinen als unheilbar gilt, können Patienten, die gut auf die Behandlung ansprechen, normalerweise in Remission (= ohne Krankheitsanzeichen) leben, ohne dass längere Zeit weitere Therapieschritte nötig wären.5 Weiter laufende Forschungen und Innovationen sorgen für verbesserte Behandlungsmöglichkeiten bei Patienten mit diesem NHL-Subtyp.

Wenn wir das Diffus-großzellige B-Zell-Lymphom (DLBCL) betrachten – die häufigste Form des aggressiven NHL – ist das endgültige Ziel die Heilung der Krankheit.6 Trotzdem kann das DLBCL bei bis zu 40% der Patienten zurückkehren. Ab diesem Zeitpunkt liegt der Fokus der Behandlung dann darauf, die Krankheit unter Kontrolle zu bringen.7-9 Forscher wie Ärzte engagieren sich kontinuierlich in der Erforschung neuer Herangehensweisen an aggressive Lymphome wie DLBCL.

"Obwohl signifikante Fortschritte erreicht wurden, sind diese nicht gleichmäßig über die verschiedenen Lymphome verteilt. Es gibt immer noch bestimmte Subtypen, die deutlich schwieriger zu behandeln sind.", sagte Sandra Horning. "Es ist äußerst wichtig, dass wir weiter forschen, um das ultimative Ziel zu erreichen, das Leben der Patienten mit allen NHL-Arten zu verbessern."

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Referenzen

  1. GLOBOCAN 2012
    Estimated cancer incidence, mortality and prevalence worldwide. Available at: http://globocan.iarc.fr/Pages/fact_sheets_population.aspx. Last accessed September 2016.
  2. Hodgkin T.
    On some morbid appearances of the absorbent glands and spleen. Med Chir Trans. 1832;17: 68-114.
  3. Lymphoma Research Foundation.
    About lymphoma. Available at: http://www.lymphoma.org/site/pp.asp?c=bkLTKaOQLmK8E&b=6299689. Last accessed September 2016.
  4. American Cancer Society. Cancer Facts & Figures 2014.
  5. Liu Q, et al.
    Improvement of overall and failure-free survival in stage IV follicular lymphoma: 25 years of treatment experience at The University of Texas M.D. Anderson Cancer Center. J Clin Oncol. 2006;24:1582-9.
  6. American Cancer Society. Types of non-Hodgkin lymphoma.
  7. Maurer MJ, et al.
    Event-free survival at 24 months is a robust end point for disease-related outcome in diffuse large B-cell lymphoma treated with immunochemotherapy. J Clin Oncol. 2014;32:1066-73.
  8. Coiffier B, et al.
    CHOP chemotherapy plus rituximab compared with CHOP alone in elderly patients with diffuse large-B-cell lymphoma. N Engl J Med. 2002;346:235-42.
  9. Coiffier B, et al.
    Long-term outcome of patients in the LHN-98.5 trial, the first randomized study comparing rituximab-CHOP to standard CHOP chemotherapy in DLBCL patients: a study by the Groupe d’Études des Lymphomes de l’Adulte. Blood 2010;116:2040-5.