MRD und Blutkrebs

Blutkrebs ist ein Überbegriff für Erkrankungen von Blut, Knochenmark und Lymphsystem. Etwa alle 35 Sekunden wird bei einer Person Blut­krebs diagnostiziert, etwa jede Minute stirbt weltweit ein Mensch an Blutkrebs.1 Blutkrebs ist somit weltweit betrachtet die fünfthäufigste krebsbedingte Todesursache.1 Es gibt drei Hauptarten des Blutkrebs, wobei manche Arten häufiger als andere auftreten:

  • Lymphome – wie z.B. Non-Hodgkin-Lymphome (NHL), weltweit der zehnthäufigste Krebstyp2
  • Leukämie – z.B. chronische lymphatische Leukämie (CLL), die verbreitetste Art der Leukämie3
  • Myelome – z.B. Multiples Myelom (MM), eine eher seltene Art des Blutkrebs

Obwohl jeder in jedem Lebensabschnitt von Blutkrebs betroffen sein kann, steigt das Risiko an Blutkrebs wie NHL oder CLL zu erkranken mit zunehmendem Alter. Dadurch sind vorrangig ältere Menschen betroffen.4,5 Auch wenn Blutkrebs sich nur langsam entwickelt und durch Behandlungen viele Jahre in Schach gehalten werden kann, sind viele Arten zur Zeit noch unheilbar.6

Die minimale residuelle Resterkrankung (MRD) ist ein Begriff, der im Zusammenhang mit Blutkrebs verwendet wird. Er bedeutet, dass eine geringe Anzahl Krebszellen nach der Behandlung in Blut oder Knochenmark des Patienten verbleiben. MRD ist der Hauptauslöser für Rezidive bei Blutkrebspatienten.7

Die Beurteilung von MRD ist wichtig, da sie Ärzten erlaubt einzuschätzen, bis zu welchem Grad die Behandlung anschlägt, ob ein Patient rückfällig werden kann oder ob eine tiefe Remission erreicht wurde. MRD ist zudem bedeutend, da sie als neuartiger, innovativer Endpunkt frühzeitig Vorhersagen zu den langfristigen Ergebnissen bei Blutkrebspatienten ermöglicht.7

Minimale Residuelle Resterkrankung (MRD) bei der Behandlung von Blutkrebs.

Indem man die Zahl der Krebszellen in Blut, Knochenmark oder Lymphknoten auf das geringste Maß reduziert, wird den Patienten ein möglichst normales Leben ohne Symptome ermöglicht. Dies nennt man Remission.6 Es kann also durchaus den Anschein haben, dass Patienten gut auf die Behandlung ansprechen, sprich eine 'Vollständige Remission' erlangen. Mit den Standardtests sind keine Spuren von Krebs im Körper mehr nachweisbar sind und der Patient zeigt keinerlei Anzeichen oder Symptome einer Erkrankung.

Trotzdem können wenige Krebszellen in Blut oder Knochenmark zurückbleiben, die nachwachsen und nach wenigen Wochen oder Monaten einen Rückfall auslösen können. Diese kleine Rest-Krebszellpopulation im Körper nennt man 'minimale residuelle Resterkrankung' (MRD) und sie ist der Hauptauslöser für Rezidive bei Patienten mit CLL, MM und follikulärem Lymphom (FL, ein Subtyp des NHL).7

MRD im Knochenmark 

Wie erkennt man residuelle Krebszellen?

Nur ein winziger verbliebener Anteil an Krebszellen reicht aus, um bei einem Patienten später einen Rückfall auszulösen. Daher ist es äußerst wichtig, dass der Arzt einschätzt, wie gut der Patient auf die Behandlung anspricht.

Früher hat man sich bei der Suche nach diesen Krebszellen einzig auf Mikroskope verlassen, wodurch sehr kleine Mengen nach der Behandlung verbliebener Krebszellen nicht immer erkannt werden konnten. Bei diesen Patienten hatten diese Zellen also die Möglichkeit nachzuwachsen und so einen Rückfall auslösen.

Neue Fortschritte in Wissenschaft und Medizintechnik ermöglichen es heute diese nach der Behandlung verbliebenen Zellen mit höherer Genauigkeit zu erkennen. Ein Patient gilt als 'MRD-negativ' wenn selbst diese hochsensiblen Tests nicht mehr in der Lage sind verbliebene Krebszellen zu finden. Dies bedeutet, dass man eine 'tiefe' Remission erreicht hat, sowie eine höhere Wahrscheinlichkeit die Krankheit langfristig unter Kontrolle zu halten als bei Patienten mit verbliebenen Krebszellen (MRD) nach der Behandlung. Wichtig ist auch, dass tiefe Remissionen mit verlängertem progressionsfreiem Überleben (PFS) und Gesamtüberleben (OS) in Verbindung stehen.7

Mikroskop

Mit einem Mikroskop ist es möglich, in etwa eine bösartige Zelle zwischen 100 gesunden Zellen zu finden, was eine schwere Erkrankung darstellt.

Durch neue Techniken kann der Erkennungsgrad auf eine aus 10.000 erhöht werden.8

Wie werden die Krebszellproben gewonnen?

Es können sowohl Blutproben als auch Gewebeproben aus dem Knochenmark entnommen werden, um die geringe Anzahl der residuellen Krebszellen zu bestimmen. Die Entnahme von Knochenmark stellt zwar eine invasivere Art der Probenentnahme dar, allerdings ist der MRD-Spiegel im Knochenmark normalerweise höher als im Blut, da das Knochenmark schwieriger von Krebszellen zu befreien ist.

Blutprobe

Blutprobe

Knochenmarksprobe

Knochenmarksprobe

Eine Analogie zur MRD-Untersuchung: Blätter in einem Swimmingpool9

Pool

Eine herkömmliche Knochenmarksuntersuchung ist vergleichbar mit einer Probenentnahme aus einem Swimmingpool. Wenn man im Eimer Blätter findet kann man davon ausgehen, dass auch anderswo im Pool Blätter schwimmen – Oder bei Blutkrebs eine beträchtliche Menge an Krebszellen im Körper verblieben sind.

Die MRD-Untersuchung ist als ob man die Wasserprobe auf kleinste Mengen von Substanzen untersucht, die nur in Blättern vorkommen. Diese Kleinstmengen entsprechen MRD, also der winzigen Anzahl an Blutkrebszellen die nach der Behandlung im Körper verbleiben und nur mit hochempfindlichen Prüfmethoden zu finden sind.

 Ein negatives MRD-Ergebnis bietet damit eine größere Sicherheit, dass Blut oder Knochenmark frei von entarteten Zellen sind.

Warum ist die MRD-Untersuchung bei CLL, MM und FL sowohl kurz- als auch langfristig für Patienten wichtig?

Studien untersuchen derzeit, unterschiedliche Einsatz-Möglichkeiten von MRD. So könnte die genaue, kritische Erkennung von MRD es zukünftig Ärzten z.B. ermöglichen:8

  1. Das Risiko eines Rückfalls zu minimieren, da die Wahrscheinlichkeit eines Rezidivs beurteilt und, wenn nötig, anschließende Behandlungen durchgeführt werden können.
  2. Patienten zu identifizieren, die eine tiefe oder MRD-negative Remission erreicht haben und keine weitere Behandlung benötigen. So können unnötige Nebenwirkungen und Behandlungszeit vermieden werden.
  3. Festzustellen, wie effektiv eine Behandlung ist, und voraussagen zu können, ob ein Fortführen der Behandlung den Zustand des Patienten langfristig verbessert.

Gemeinsam mit der akademischen Forschung hat Roche bereits heute MRD als primären bzw. sekundären Endpunkt in klinischen Studien integriert, um frühzeitig eine Aussage über die Überlegenheit einer neuen Behandlungsmethode machen zu können.

Maßgeblich ist auch, dass die European Medicines Agency (EMA) unlängst Richtlinien zur Verwendung von MRD in klinischen Tests als frühen Indikator für ein längeres progressionsfreies Überleben (PFS) veröffentlicht hat.7

In der Zwischenzeit erwägt die U.S. Food and Drug Administration (FDA), MRD als bedeutenden Endpunkt einzusetzen, mit dem die Effektivität einer Behandlung schon frühzeitig beurteilt werden kann. Dies kann helfen langwierige Entwicklungszeit zu verringern und den Patienten schnelleren Zugang zu effektiveren Behandlungsoptionen zu bieten.

Was ist MRD?

Behandlung

Menschen mit Blutkrebs können in unterschiedlichem Maße auf die Behandlung ansprechen. Dies reicht von keinerlei Wirkung, über eine leichte Verbesserung des Krankheitsbildes bis zum Erreichen einer "vollständigen Remission", bei der keine Anzeichen der Krankheit mehr auftreten.

Ergebnisse

MRD ist ein Zustand bei dem ein kleiner, minimaler Rest an Krebszellen in Blut oder Knochenmark des Patienten nach der Behandlung zurückbleibt. Sie ist bei Blutkrebs der Hauptauslöser für Rückfälle.

Remission

"MRD-Negativität" zu erreichen bedeutet, dass der Patient sich in tiefer Remission befindet und, selbst mit modernen, sensibleren Tests keinerlei Krebszellen zu finden sind.

Schaubild MRDSchaubild MRD

Referenzen

 
  1. Globocan (2012) Estimated incidence, mortality and 5-year prevalence: both sexes. Available at:
  2. Cancer Research UK. Non-Hodgkin lymphoma incidence statistics. Available at:
  3. Byrd JC et al. Introduction to a series of reviews on chronic lymphocytic leukemia. Blood 2015: 126 (4); 427.
  4. Cancer.net. Leukemia - Chronic Lymphocytic - CLL: Risk Factors. Available at:
  5. Cancer.net. Lymphoma - Non-Hodgkin: Risk Factors. Available at:
  6. Liu Q et al. Improvement of Overall and Failure-Free Survival in Stage IV Follicular Lymphoma: 25 Years of Treatment Experience at The University of Texas M.D. Anderson Cancer Center. J Clin Oncol 2006: 24 (10); 1582-9.
  7. European Medicines Agency (2014) Guideline on the use of minimal residue disease as an endpoint in chronic lymphocytic leukaemia studies. Available at:
  8. Boldeanu F et al. Minimal Residual Disease - Generalities and Perspectives. TMJ 2011: 61; 3 – 4.
  9. Lymphomation.org. Minimum Residual Disease (MRD) with PCR ("molecular photocopying") of blood or marrow samples. Available at:
    http://www.lymphomation.org/MRD.htm (Last accessed November 2015).