Erkrankung Lungenkrebs

Wie entsteht Lungenkrebs?

 
Zellteilung bei gesunden Zellen und bei Krebszellen

Zellteilung bei gesunden Zellen und bei Krebszellen

Der menschliche Körper besteht aus Billionen von Zellen. Für die unterschiedlichen Zellarten ist genau festgelegt, in welchem Zeitraum sie wachsen, sich teilen und absterben. Zellen des Knochenmarks teilen sich beispielsweise sehr schnell: Aus ihnen bilden sich Blut- und Immunzellen, die der Körper ständig neu benötigt. Gesunde Zellen teilen sich jedoch nur, wenn es für den Körper sinnvoll ist.

Bei Krebszellen ist das natürliche Gleichgewicht zwischen Wachstum, Teilung und Zelltod gestört, da sich die Erbsubstanz, der genetische Code (DNA), verändert hat. Als Folge vermehren sich die bösartig gewordenen Zellen unkontrolliert und bilden eine Geschwulst aus Gewebe, einen Tumor.

Gut- und bösartige Lungentumoren

Gutartige Tumoren wachsen nur dort, wo sie entstanden sind. Sie können angrenzendes Gewebe verdrängen, aber nicht zerstören. Von einem bösartigen Tumor spricht man, wenn die Zellen unkontrolliert weiterwachsen, in benachbartes gesundes Gewebe eindringen und es zerstören. Sobald die Krebszellen Zugang zum Blut- und Lymphstrom haben, können sie sich in andere Körperregionen bewegen und dort ansiedeln. Das sind Tochtergeschwulste, sogenannte Metastasen.

In der Lunge können sowohl gut- (benigne) als auch bösartige (maligne) Geschwulste entstehen. Gutartige Tumoren sind jedoch eher selten. Sie machen weniger als zehn Prozent aller Lungentumoren aus, wachsen sehr langsam und verursachen selten Beschwerden. Dennoch werden sie in den meisten Fällen entfernt: So stellen die Ärzte sicher, dass die Geschwulst tatsächlich gutartig ist.

Zu über 90 Prozent sind die Geschwulste in der Lunge bösartig (maligne).1 Da Lungenkrebs in allen Abschnitten der Lunge entstehen kann, gibt es sehr viele Tumorarten. Sie befallen etwa

  • das Brustfell (Mesotheliom),
  • die Bronchien oder das Drüsengewebe der Lunge (Plattenepithelkarzinom, Adenokarzinom) oder
  • die Lungenbläschen (Alveolarzellenkarzinom).

Um welche Tumorart es sich handelt und wie weit fortgeschritten die Krankheit ist, können Mediziner erst feststellen, wenn sie eine Gewebeprobe entnehmen und untersuchen.

Risikofaktoren Lungenkrebs

Warum sich bei einem Menschen ein Tumor bildet und bei einem anderen nicht, kann die Wissenschaft bis heute nicht erklären. Sicher ist allerdings: Es gibt nicht nur eine Ursache. Seit geraumer Zeit wissen die Krebsforscher, dass verschiedene Faktoren die Entstehung der Krankheit begünstigen – auch für Lungenkrebs können sie Risiken benennen.

Rauchen

Bei etwa 90 Prozent der Männer und 30 bis 60 Prozent der Frauen in Deutschland, die an Lungenkrebs leiden, führen Mediziner die Krankheit auf das Tabakrauchen zurück.2 Von den 4.800 im Tabakrauch enthaltenen Stoffen sind etwa 250 giftig und 90 krebserregend.3 So kann beispielsweise Benzpyren, eine chemische Substanz im Zigarettenrauch, die Schleimhautzellen der Lunge nachhaltig schädigen und dafür sorgen, dass die natürliche Zellteilung außer Kontrolle gerät.

Verdoppelt sich die Zahl der täglich gerauchten Zigaretten, verdoppelt sich auch das Risiko, später an Lungenkrebs zu erkranken. Das bedeutet: Je intensiver jemand raucht, desto eher bekommt er Lungenkrebs.

Gemessen wird die Intensität

  • an der Inhalationstiefe,
  • am Teer- und Nikotingehalt und
  • an der Anzahl der konsumierten Zigaretten.

Das Risiko ist auch davon abhängig, wie lange der Tabakkonsum andauert. Dies ist vermutlich ein Grund dafür, warum Lungenkrebs meist erst in einem höheren Lebensalter auftritt – also dann, wenn ein Mensch bereits viele Jahre geraucht hat.

Das Krebsrisiko derjenigen, die mit dem Rauchen aufgehört haben, nimmt dagegen kontinuierlich wieder ab. Bereits nach 24 Stunden vermindert sich das Risiko eines Herzinfarkts. Nach zehn Jahren hat sich das Risiko, an Lungenkrebs zu sterben, um die Hälfte verringert.

Passivrauchen

Schätzungen zufolge erkranken in Deutschland jährlich etwa 280 Nichtraucher durch passives Rauchen an Lungenkrebs, 260 sterben pro Jahr daran.2 Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Nichtraucher, die in einem geschlossenen Raum von Rauchern umgeben sind, innerhalb einer Stunde so viel Benzpyren einatmen, als hätten sie in dieser Zeit selbst vier Zigaretten geraucht.

Studien zeigen außerdem: Das Rückfallrisiko und auch die Lebenserwartung geheilter Lungenkrebspatienten hängen stark davon ab, ob in ihrer Gegenwart geraucht wird. Demnach muss die Frage, ob Passivrauchen gesundheitsschädlich ist, mit einem klaren Ja beantwortet werden.

Radon

Radon ist ein radioaktives Edelgas, das als natürliches Abbauprodukt von Uran in die Atmosphäre entweicht. Über die Atemluft erreichen das Radon und seine radioaktiven Zerfallsprodukte dann die Lunge. Dort geben sie Strahlen ab, die das Lungengewebe belasten – und die Bildung von Krebszellen fördern. Je nachdem wie oft und wie viel Radon eingeatmet wurde, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass das Lungengewebe dauerhaft geschädigt ist. Nach dem Rauchen ist das Einatmen von Radon und seinen radioaktiven Folgeprodukten eine der wichtigsten Ursachen von Lungenkrebs.

Radon kommt in unterschiedlichen Konzentrationen in Böden, in der Luft, in Gesteinen und in Gewässern vor, unter anderem in ehemaligen Bergbaugebieten. Durch Risse und undichte Stellen in der Bausubstanz oder über Rohre gelangt es bisweilen aus der Erde in Gebäude und reichert sich dort an. Es ist jedoch auch möglich, dass ein erhöhter Radongehalt in der Luft durch schlechtes Lüften entsteht. Die zunehmende Radioaktivität in den Räumen kann das Lungenkrebsrisiko der Bewohner erhöhen. 

Weitere Auslöser

Zu den übrigen Faktoren, die neben Tabakrauch die Wahrscheinlichkeit eines Lungentumors erhöhen, zählen insbesondere Schadstoffe am Arbeitsplatz wie

  • Quarzstaub,
  • Asbest,
  • Benzol,
  • Ruß,
  • Teer,
  • Chrom,
  • Nickel und
  • Arsen.

Berufsgruppen, die mit diesen Stoffen in Kontakt kommen, sind darum besonders gefährdet. Auch eine hohe Luftverschmutzung – insbesondere durch Dieselabgase oder Feinstaub – und eine vermehrte Strahlenbelastung durch Radon, Röntgen- und Gammastrahlen fördern eine Lungenkrebserkrankung. Die berufsbedingten Krebsrisiken wurden durch gesetzliche Bestimmungen des Arbeitsschutzes in der Vergangenheit aber bereits deutlich reduziert.

Neben Schadstoffen am Arbeitsplatz scheinen erbliche Faktoren eine Rolle zu spielen. Blutsverwandte von Lungenkrebspatienten haben ein bis zu vierfach erhöhtes Risiko, selbst zu erkranken. Der Einfluss genetischer Faktoren ist bis heute allerdings weitgehend ungeklärt.

Referenzen

  1. Deutsche Krebsgesellschaft e.V.: Lungenkrebs, Bronchialkarzinom, Lungenkarzinom.
  2. Krebsinformationsdienst: Risikofaktoren: Wie entsteht Lungenkrebs?
  3. Rauchfrei: Inhaltsstoffe im Tabakrauch. Hrsg.: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.