Diagnose Lungenkrebs - Stadieneinteilung

Die Entscheidung darüber, welche Therapie die beste ist, richtet sich sowohl nach dem Tumortyp (kleinzellig/nicht-kleinzellig) als auch nach dem Erkrankungsstadium. Aus diesem Grund bestimmen die Mediziner die Größe des Tumors und untersuchen die Lymphknoten im Brustraum auf einen möglichen Befall. Außerdem überprüfen sie, ob der Lungenkrebs bereits Tumorabsiedlungen (Metastasen) in weiteren Organen oder Körperregionen gebildet hat. Eine exakte Stadieneinteilung ist in der Regel erst möglich, nachdem die Ärzte das Lymphknotengewebe untersucht haben.

Um den Lungenkrebs in ein Erkrankungsstadium einordnen zu können, müssen die Ärzte die Eigenschaften des Tumors zunächst genau bestimmen.

Kleinzelliger und nicht-kleinzelliger Lungenkrebs

Die Bezeichnung Lungentumor ist sehr weitläufig und schließt Krebsgeschwüre unterschiedlicher Herkunft ein. So wie sich Patienten nicht gleichen, weisen auch die einzelnen Tumorarten abweichende Merkmale auf. Innerhalb der Lungenkrebsformen klassifizieren Ärzte die Tumoren aber nicht nur nach ihrer Gut- oder Bösartigkeit und dem jeweiligen Ursprung des Gewebes. Sie bestimmen auch, ob es sich um kleinzelligen (SCLC – Small Cell Lung Cancer) oder nicht-kleinzelligen Lungenkrebs (NSCLC – Non Small Cell Lung Cancer) handelt. Diese Einstufung lässt sich von der Größe der gefundenen Krebszellen ableiten. Den Krebstyp zu charakterisieren ist deshalb wichtig, weil der Krankheitsverlauf und die Prognose je nach Tumor unterschiedlich sind.

Vom nicht-kleinzelligen Lungenkrebs sind weitaus mehr Menschen betroffen. Ärzte diagnostizieren ihn in 85 Prozent aller Lungenkrebsfälle.1 Nicht-kleinzelliger Lungenkrebs wächst meist begrenzt und bildet weniger Metastasen als der kleinzellige Lungenkrebs. Daher sind seine Heilungschancen in frühen Stadien häufig besser.

Der kleinzellige Lungenkrebs hingegen wächst oft besonders schnell und streut Metastasen in andere Organe. Wie bei der Unterscheidung zwischen gut- und bösartigen Tumoren gilt auch hier: Nur durch eine mikroskopische Untersuchung des Gewebes können die Ärzte feststellen, um welche Art von Tumor es sich im Einzelfall handelt.

Beurteilung des Tumorwachstums

Die Größe des Tumors legt fest,

  • ob und wie viel Gewebe im Rahmen einer Operation entfernt werden kann,
  • ob kombinierte Behandlungen das Mittel der Wahl sind und
  • mit welchen Nebenwirkungen im Rahmen einer Therapie zu rechnen ist.

Dabei ist ausschlaggebend, wo sich der Tumor in der Lunge befindet:

  • Wächst er in einem oder in mehreren Lungenlappen?
  • Tritt er in einem kompletten Lungenflügel auf?

Darüber hinaus klären die Ärzte, ob der Tumor bereits die Lymphknoten angegriffen oder in anderen Organen Tochtergeschwulste (Metastasen) gebildet hat. Neben diesen Fragen ist die Entscheidung für oder gegen eine Therapie auch vom Alter und Allgemeinzustand des Patienten abhängig: Daher untersuchen die Mediziner immer den gesamten Körper, bevor sie sich festlegen.

Die Nieren- und Leberfunktion, die Blutgerinnung und die Blutbildung ermitteln die Ärzte anhand von Bluttests. Darüber hinaus suchen sie mithilfe bildgebender Verfahren nach Metastasen im Körper. Schwach radioaktive Substanzen, die bei der Szintigrafie eingesetzt werden, können zudem Tochtergeschwulste in den Knochen nachweisen. Außerdem messen die Ärzte die Herz- und Lungenfunktion. Dabei kommt es vor allem auf die Funktion des gesunden Lungenabschnitts an – also auf den Teil, der bei der Behandlung geschont werden soll. Er muss später die komplette Atmung übernehmen können.

Stadieneinteilung beim kleinzelligen Lungenkrebs

Beim kleinzelligen Lungenkrebs unterscheiden die Mediziner zwei Stadien:

  • Das begrenzte Stadium: Der Tumor befindet sich in nur einem Lungenflügel.
  • Das fortgeschrittene Stadium: Der Tumor hat bereits in den zweiten Lungenflügel, außerhalb des Lungenflügels – zum Beispiel in die Brustwand – oder in andere Organe gestreut.

Stadieneinteilung beim nicht-kleinzelligen Lungenkrebs

Bei nicht-kleinzelligem Lungenkrebs ist die Stadieneinteilung komplizierter. Die Ärzte orientieren sich dabei an einem Schema, das den Tumor gemäß bestimmter Kriterien einordnet. Anhand dieser sogenannten TNM-Klassifikation lässt sich das Stadium der Erkrankung bestimmen, sodass die Mediziner eine geeignete Therapie planen können.

Die TNM-Klassifikation gibt Auskunft über:

  • T (Tumor): Ausdehnung und Verhalten des Ursprungstumors,
  • N (lat. Nodus, Knoten): Fehlen bzw. Vorhandensein von Lymphknotenmetastasen,
  • M (Metastase): Fehlen bzw. Auftreten von Fernmetastasen.

Der Buchstabe T steht für Tumor und beschreibt, wie groß die Geschwulst ist und wie weit sie sich ausgebreitet hat. Metastasen werden in lokale und regionäre Metastasen sowie in Fernmetastasen unterschieden: Lokale Metastasen entstehen nah beim Tumor, regionäre Metastasen in den Lymphknoten (N). Fernmetastasen (M) sind Geschwulste, die sich in anderen Organen oder in den Knochen angesiedelt haben.

Für Chirurgen und nachsorgende Ärzte ist die TNM-Klassifikation sehr wichtig: Sie richten danach das Vorgehen bei der Therapie und Nachsorge aus. Außerdem hilft sie den Medizinern, den weiteren Verlauf der Krankheit und die Heilungschancen besser einzuschätzen. Ärzte sprechen häufig auch von „Staging“, wenn sie das Krankheitsstadium bestimmen.

Stadieneinteilung beim nicht-kleinzelligen Lungenkrebs

  Stadien Erläuterungen
frühes Stadium IA T1 N0 M0  Der Tumor ist auf einen Lungenflügel begrenzt.
IB T2 N0 M0
IIA T1 N1 M0  Der Krebs hat zusätzlich mindestens einen Lymphknoten an der Wurzel des gleichen Lungenflügels befallen. Es gibt jedoch keinen Hinweis auf Fernmetastasen in anderen Organen.
IIB T2 N1 M0
T3 N0 M0
fortgeschrittenes Stadium IIIA T1 N2 M0  Die Ausdehnung des Tumors ist in einem Lungenflügel bereits sehr groß. Der Krebs hat den zweiten Lungenflügel oder dessen Lymphknoten befallen.
T2 N2 M0
T3 N1,N2 M0
IIIB T4 Jedes N M0
Jedes T N3 M0
IV Jedes T Jedes N M1 Der Lungenkrebs hat Metastasen gebildet.
  M1a Der Tumor verursacht eine Wasseransammlung im Herzbeutel oder zwischen Lungenfell und Rippenfell
M1b Der Tumor hat Fernmetastasen in einem oder mehreren anderen Organen gebildet (Leber, Knochen, Gehirn).

T = Tumor, N = Lymphknoten, M = Metastase

Die Stadieneinteilung hängt grundsätzlich von folgenden Faktoren ab:

  • Tumortyp (kleinzellige oder nicht-kleinzellige Form),
  • Ausbreitung der Erkrankung,
  • Allgemeinzustand des Patienten,
  • Lungenfunktion,
  • Begleiterkrankungen.

Referenzen

  1. Lungenärzte im Netz: Lungenkrebs. Hrsg.: Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP); Bundesverband der Pneumologen e.V. (BdP).