Blasenkrebs - Chemotherapie vs. Krebsimmuntherapie

Prof. Dr. med. Gschwend – Chemo vs. Krebsimmuntherapie

Transkript

Prof. Dr. med. Gschwend, Direktor der Urologischen Klinik am Klinikum rechts der Isar, München:

Die Immuntherapie ist eine Therapiemethode, bei der das körpereigene Immunsystem stimuliert werden soll, um es dafür zu rüsten, sich gegen eine Krebserkrankung zu wehren.

Jetzt in jüngster Zeit haben wir mehrere Studien gesehen, die sehr interessante und auch Erfolg versprechende Daten geliefert haben für die Krebsimmuntherapie beim Harnblasenkarzinom, die gezeigt haben, dass Patienten, die mit einer Krebsimmuntherapie beim Harnblasenkarzinom behandelt werden, darauf in vielen Fällen sehr gut ansprechen, deshalb natürlich davon profitieren und teilweise auch über einen sehr langen Zeitraum mit ihrer Erkrankung stabil bleiben.

Der Vorteil einer Krebsimmuntherapie im Gegensatz zur Chemotherapie ist, dass sie im Allgemeinen wesentlich besser verträglich ist, das heißt die typischen Nebenwirkungen einer Chemotherapie, wie Übelkeit, Haarausfall, Blutbildveränderungen sehen wir bei einer Immuntherapie so gut wie nie. Es gibt andere Nebenwirkungen, die eher selten sind und die in den meisten Fällen auch sehr gut zu Behandeln sind. Es ist letztendlich eine relativ simple Therapie, eine Infusion, das heißt der Patient bekommt eine intravenöse Kanüle gelegt, und über diese Kanüle wird dann die Infusion mit dem Immuntherapeutikum verabreicht. Das dauert im Allgemeinen eine halbe Stunde Infusionszeit, und das wird alle zwei oder drei Wochen wiederholt. Nach Abschluss der Infusion ist die Behandlung bereits wieder beendet. Der Patient kann nach kurzer Zeit die Praxis oder das Krankenhaus verlassen und hat dann für die nächsten zwei oder drei Wochen Ruhe, muss natürlich ständig kontrolliert werden, falls irgendwelche Nebenwirkungen auftreten, aber ansonsten ist er letztendlich von der Therapie nicht weiter belastet.

Man kann in Bezug auf das Harnblasenkarzinom sagen, dass sich hier bereits jetzt ebenfalls eine, ich würde sagen, Minirevolution ergeben hat, weil wir jetzt Patienten behandeln können, die erstens für keine weiter Therapie mehr geeignet waren, weil sie bereits alle Chemotherapeutika hatten, andererseits können wir aber auch Patienten behandlen, die aufgrund ihrer schlechten Nierenfunktion eine konventionelle Chemotherapie gar nicht erhalten könnten, und wir aber mit der Immuntherapie dennoch eine sehr effektive Therapie anbieten können, was natürlich für diese Patienten speziell eine hervorragende und vor allem hoffnungsvolle Maßnahme bedeutet.

Dr. med. Richard Tauber, Oberarzt der Urologischen Klinik am Klinikum rechts der Isar, München:

Also, ihr Immunsystem hat es geschafft jetzt diesen Krebs wieder zu attackieren, weil diese Tricks die der Krebs ausnutzt um, irgendwie, sich vor dem Immunsystem zu verstecken, die, quasi jetzt ausgehebelt worden sind, das heißt das Immunsystem erkennt wieder die Krebszellen, attackiert die, und dadurch sind jetzt diese ganzen Krebsknoten so schön zurückgegangen, wir sehen hier diese verschiedene...

Prof. Dr. med. Gschwend, Klinikum Rechts der Isar

Zu jetzigen Zeitpunkt kann man klar sagen, dass die Krebsimmuntherapie beim Harnblasenkarzinom nur geeignet ist für Patienten mit einem fortgeschrittenen oder metastasierten Karzinom, also eher Krankheitsstadien die wir bislang mit einer Chemotherapie behandelt haben, wir haben dann natürlich letztendlich die Hoffnung, dass wir in der Zukunft auch Patienten behandeln können mit nichtinvasiven, sogenannten oberflächlichen Blasenkarzinomen, die wir bislang durch eine Biopsie behandeln. Das Problem bei diesen Patienten ist, daß diese Tumore sehr oft wiederkehren und man relativ häufig Eingriffe durchführen muss.Oder Medikamente in die Blase geben muss, die wiederum zu Nebenwirkungen führen, und sollten wir in der Lage sein solche Patienten mit einer Immuntherapie zu behandeln, wäre das natürlich für die Patienten von großem Vorteil, weil die Behandlung möglicherweise sehr viel angenehmer und weniger invasiv wäre.