In der regen, teils kontroversen Diskussion wurde schnell klar: Es gibt längst nicht mehr „die Krebsmedizin“. Vielmehr ist die Forschung inzwischen in der Lage, mit Hilfe datengetriebener Techniken genauer hinzusehen, Muster zu erkennen und immer gezieltere Therapien zu entwickeln. Dabei stellen Gesundheitsdaten aus dem Alltag – sogenannte “Real World Data“ (RWD) – eine wertvolle Informationsquelle dar. Forschende Unternehmen besorgen sich diese Daten häufig aus dem Ausland. In Deutschland ist die Nutzung von RWD bislang noch nicht ohne weiteres möglich. Das hat zwei Gründe. Zum einen steckt die digitale Vernetzung der Gesundheitseinrichtungen hierzulande noch in den Kinderschuhen, so dass dem Datenaustausch technische Hindernisse entgegenstehen. Zum anderen gelten strengere Datenschutzregeln als beispielsweise in den USA.
Dass ein verantwortungsvoller Umgang mit persönlichen Daten notwendig ist, stellte keiner der Teilnehmer in Frage. „Wenn die Nutzung medizinischer Daten ethisch und rechtlich abgesichert ist, kann man sogar fragen, ob es nicht eine moralische Pflicht gibt, die Daten der Forschung zur Verfügung zu stellen“, gab Eva Winker, Ethikprofessorin am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT), Heidelberg, zu bedenken. Die Expertin sieht hier jedoch auch in Deutschland eine deutliche Bewegung hin zu mehr Offenheit im Umgang mit diesen Daten.