Kongress-Update: Neue Perspektiven beim frühen und fortgeschrittenen Mammakarzinom

Grenzach-Wyhlen, 6. Juni 2024

  • Update der INAVO120-Studie vom Amerikanischen Krebskongress: Patient:innen mit fortgeschrittenem HR-positivem, HER2-negativem Brustkrebs profitieren in vielerlei Hinsicht von der Hinzunahme von Inavolisib zur Kombinationstherapie aus Fulvestrant und Palbociclib.[1]

  • Daten der KATHERINE-Studie: Kadcyla® ist die erste zielgerichtete Therapie, die bei Patient:innen mit HER2-positivem Brustkrebs im Frühstadium mit invasiver Resterkrankung nach neoadjuvanter Behandlung einen signifikanten Gesamtüberlebensvorteil zeigt.[2]

  • Aufgrund dieser Ergebnisse hat die AGO ihre Empfehlungen aktualisiert: Der Empfehlungsgrad für Kadcyla lautet nun «Doppelplus» (++). [3]

Neueste Entwicklungen in der Therapie des frühen und fortgeschrittenen Brustkrebses standen im Mittelpunkt des 43. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Senologie e.V. (DGS) in Dresden. Den inhaltlichen Schwerpunkt des Symposiums „Wrap Up – Mammakarzinom“ bildeten die frisch vom Amerikanischen Krebskongress in Chicago eingeflogenen Daten der INAVO120-Studie.1 Darüber hinaus lag der inhaltliche Fokus beim DGS auf den Daten zum Gesamtüberleben (OS) der KATHERINE-Studie, die als Encore Posterpräsentation vorgestellt wurden.

Frühes Mammakarzinom: Signifikant verlängertes Gesamtüberleben mit Kadcyla

Eine gezielte post-neoadjuvante Behandlung mit Kadcyla (Trastuzumab Emtansin) ermöglicht bei Patient:innen, die nach neoadjuvanter Therapie keine pathologische Komplettremission (pCR) erreicht haben, eine signifikante Verbesserung des OS – dies zeigen aktuelle Daten der KATHERINE-Studie: Nach 7 Jahren waren im Kadcyla-Arm noch fast 90 % der Patient:innen am Leben (89,1 % vs. 84,4 % im Herceptin® (Trastuzumab)-Kontrollarm). Das Risiko zu versterben war um 34 % reduziert (Hazard Ratio: 0,66; 95 %-Konfidenzintervall (KI): 0,51–0,87; p < 0,0027).2 Das klinisch bedeutsame invasiv-krankheitsfreie Überleben (iDFS) konnte unter Kadcyla bestätigt und ausgebaut werden (80,8 % unter Kadcyla vs. 67,1 % unter Herceptin; HR: 0,54; 95 %-KI: 0,44–0,66; p < 0,0001).2,4

Kadcyla zeichnet sich durch ein gut definiertes und kontrollierbares Sicherheitsprofil aus. Die Prävalenz für das Auftreten einer Kardiotoxizität war in beiden Gruppen gering.2,4 Die Ergebnisse haben dazu geführt, dass die Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie (AGO) ihre Empfehlungen beim frühen HER2-positiven Mammakarzinom aktualisiert hat. Der Empfehlungsgrad für Kadcyla in der Post-Neoadjuvanz lautet nun «Doppelplus» (++).3 Dies unterstreicht die Bedeutung der neoadjuvanten Behandlungsstrategie, welche Voraussetzung für die Behandlung mit Kadcyla ist.5

Fortgeschrittenes Mammakarzinom: Gute Wirksam- und Verträglichkeit mit Inavolisib

Eine aktivierende Mutation von PIK3CA findet sich bei 35–40 % aller HR-positiven Mammakarzinome.6 In der INAVO120-Studie führte die Hinzunahme des selektiven PI3K-Inhibitors Inavolisib zur Kombination aus Fulvestrant und Palbociclib zu einer Verdopplung des progressionsfreien Überlebens (PFS) bei Patient:innen mit fortgeschrittenem HR-positivem, HER2-negativem Mammakarzinom (15,0 vs. 7,3 Monate unter der Kombinations-therapie plus Placebo). Das relative Risiko für einen Progress wurde mehr als halbiert (Hazard Ratio: 0,43; 95 %-KI: 0,32–0,59; p < 0,0001). Es zeigte sich außerdem ein Trend zu einem verbesserten OS.7 Neue auf dem Amerikanischen Krebskongress präsentierte Daten zur INAVO120-Studie unterstreichen das Potenzial der Kombinationstherapie mit Inavolisib. Gegenüber dem Kontrollarm (Fulvestrant + Palbociclib + Placebo) zeigte sich unter der ergänzenden Gabe von Inavolisib eine deutliche Verlängerung des PFS2* (24,0 vs. 15,1 Monate; HR: 0,59; 95 %-KI: 0,42–0,83). Der Zeitpunkt der erstmaligen Gabe einer Chemotherapie (TTFC: time to first chemotherapy) ist mit der Inavolisib-Dreifachkombination noch immer nicht erreicht (NE vs. 15,0 Monate; Hazard Ratio: 0,53; 95 %-KI: 0,37–0,78).1 Zudem bestätigte sich das Sicherheitsprofil der Inavolisib-Dreifachkombination: Auftretende Nebenwirkungen wurden von den Patient:innen als moderat bis gering bewertet. Es wurden keine neuen relevanten Sicherheitssignale oder eine Verschlechterung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität beobachtet.1 «Dies ist besonders relevant, da in der Vergangenheit die Verträglichkeit von PI3K-Inhibitoren eine große Herausforderung darstellte», hob Prof. Dr. med. Andreas Schneeweiss, Nationales Centrum für Tumorerkrankungen Heidelberg, hervor. «Inavolisib könnte sich schon bald als neue Standardtherapie für Patient:innen mit PIK3CA-mutiertem, HR-positivem, HER2-negativem fortgeschrittenem Brustkrebs etablieren.»

Aufgrund der vielversprechenden Ergebnisse der INAVO120-Studie hat die FDA den «Priority Review»-Status im Rahmen des beschleunigten Zulassungsverfahrens für die Kombinationstherapie mit Inavolisib zur Behandlung des fortgeschrittenen HR-positiven, HER2-negativen Brustkrebses bei vorliegender PIK3CA-Mutation erteilt.

Über die KATHERINE-Studie

KATHERINE ist eine internationale, multizentrische, zweiarmige, randomisierte, offene Phase-III-Studie zur Bewertung der Wirksamkeit und Sicherheit von Kadcyla im Vergleich zu Herceptin als adjuvante Therapie bei Patient:innen mit HER2-positivem Brustkrebs im Frühstadium, die nach einer neoadjuvanten Therapie mit Herceptin und Taxan-basierter Chemotherapie eine invasive Resterkrankung aufweisen.4 Innerhalb der KATHERINE-Studie wurde die „invasive Resterkrankung“ als das Vorhandensein einer invasiven Resterkrankung in Gewebeproben aus der Brust und/oder den Axillaknoten nach einer neoadjuvanten Behandlung definiert.4 Patient:innen, die nach einer neoadjuvanten Behandlung eine invasive Resterkrankung aufweisen, haben im Allgemeinen eine schlechtere Prognose als Patient:innen, bei denen bei der Operation keine invasive Erkrankung nachweisbar ist.4 Der primäre Endpunkt der Studie ist das iDFS, das in dieser Studie als die Zeit ab der Randomisierung definiert ist, die frei von einem invasiven Brustkrebsrezidiv oder vom Tod aus jeglicher Ursache ist.4 Zu den sekundären Endpunkten gehören das DFS und das Gesamtüberleben.4

Über die INAVO120-Studie

INAVO120 ist eine internationale, multizentrische, randomisierte, doppelblinde Phase-III-Studie zur Bewertung der Wirksamkeit und Sicherheit von Inavolisib oder Placebo in Kombination mit Fulvestrant und Palbociclib bei Patient:innen mit fortgeschrittenem PIK3CA-mutiertem, HR-positivem, HER2-negativem Brustkrebs. Der primäre Endpunkt der Studie ist das vom Prüfer bewertete PFS. Ein wichtiger sekundärer Endpunkt ist das OS.8

Referenzen

[1] Juric D et al., J Clin Oncol. 2024; 42: 16 (suppl., Abstract 1003).

[2] Loibl S et al., San Antonio Breast Cancer Symposium, 5.–9.12.2023 Vortrag GS03-12 vom 8.12.2023.

[3] AGO Breast Committee. Diagnosis and Treatment of Patients with Primary and Metastatic Breast Cancer. Recommendations 2024. www.ago-online.de.

[4] von Minckwitz G et al., N Engl J Med. 2019; 380: 617–628.

[5] Burstein HJ et al., Ann Oncol. 2021; 32(10): 1216–1235.

[6] Hernandez-Aya LF, Gonzalez-Angula AM, Oncologist. 2011; 16: 404-14.

[7] Jhaveri KL et al., San Antonio Breast Cancer Symposium, 5.–9.12.2023 Vortrag GS03-13 vom 8.12.2023.

[8] Clinical trials.gov. A Study Evaluating the Efficacy and Safety of Inavolisib + Palbociclib + Fulvestrant vs Placebo + Palbociclib + Fulvestrant in Patients With PIK3CA-Mutant, Hormone Receptor-Positive, Her2-Negative, Locally Advanced or Metastatic Breast Cancer (INAVO120) [Internet; cited May 2024]. Available from: https://clinicaltrials.gov/study/NCT04191499.

*PFS2: Definiert als die Zeit zwischen der Randomisierung und dem Progress oder Tod unter der ersten Folgetherapie.

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